Gefühle

Wenn das Leben dir Zitronen gibt, dann mach Limonade draus – Was ist toxische Positivität?

Gefühle sind nicht negativ, sondern unangenehm!

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Was bedeutet Toxische Positivität?

Toxische Positivität ist ein Begriff, der verwendet wird, um ein bestimmtes Verhaltensmuster zu beschreiben. Er bezieht sich auf die Tendenz, positive Emotionen und Gedanken über alles andere zu stellen und unangenehme Gefühle und Erfahrungen zu unterdrücken oder zu vermeiden. Dieses Verhalten kann negative Folgen für die psychische Gesundheit haben, da es dazu neigt, Emotionen und Probleme herunterzuspielen und zu verdrängen. Toxische positive Sätze wie „Denk positiv!“ oder „Positive Vibes Only“ vermitteln den Eindruck, dass das Zeigen von Unzufriedenheit oder das Ausdrücken von Sorgen inakzeptabel ist.

Gibt es vielleicht ein paar Sätze, die dir bekannt vorkommen? „Anderen geht es viel schlechter als dir”, „In Afrika verhungern Kinder“, „Sieh nicht alles so negativ“, „Es gibt Schlimmeres“, „Jede Krise ist eine Chance“, „Das ist ein Luxusproblem“….

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Toxische Positivität in den sozialen Medien

Besonders in den sozialen Medien ist dieses Phänomen weit verbreitet. Auf Plattformen wie Instagram und Facebook neigen Menschen dazu, nur die besten Momente ihres Lebens zu teilen. Dadurch kann der Eindruck erweckt werden, dass andere immer glücklich sind. Dies kann den Druck erhöhen, dasselbe zu erreichen, und dazu führen, dass Menschen ihre wahren Gefühle verbergen. Die ständige Betonung von Positivität kann dazu führen, dass sich Menschen unverstanden und isoliert fühlen, da sie denken, dass sie die Einzigen sind, die mit Problemen konfrontiert sind.

Um mit toxischer Positivität auf sozialen Medien umzugehen, ist es wichtig, sich der Auswirkungen bewusst zu sein und zu versuchen, eine ausgewogenere Darstellung des Lebens zu fördern. Dies kann bedeuten, gelegentlich über Herausforderungen zu sprechen und sich selbst sowie anderen zu erlauben, authentisch mit den eigenen Erfahrungen umzugehen. Es ist auch hilfreich, sich bewusst Offline-Zeit zu nehmen, um sich auf die realen Beziehungen und Emotionen zu konzentrieren.

Toxische Positivität kann verschiedene negative Auswirkungen haben.

Studien zeigen, dass negative Emotionen zu unterdrücken sie vermehren kann, statt sie zu reduzieren. Indem unangenehme Gefühle ignoriert werden, wird einem die Chance genommen, sie zu verstehen und damit einen gesunden Umgang zu finden. Das ständige Streben nach Glück kann uns frustrieren und unser Unglück verstärken, da wir enttäuscht werden können, wenn die erwarteten Glücksgefühle nicht eintreten. Hinter toxischer Positivität steht eine Menge Druck, ständig glücklich zu sein. Da wir natürlich nicht in der Lage sind, ständig „positiv“ zu sein, können Gefühle von Scham und Unzulänglichkeit entstehen. Zusätzlich kann toxische Positivität zur Verleugnung von echten Problemen führen. Anstatt Probleme anzugehen, wird toxische Positivität verwendet, um sie zu verharmlosen oder zu ignorieren. Toxische Positivität kann zu einer Oberflächlichkeit führen, bei der echte Gefühle und Bedürfnisse nicht ausgedrückt werden. Dadurch verlieren wir unsere Authentizität und den Zugang zu unseren Bedürfnissen. Personen, die immer wieder ihre unangenehmen Gefühle unterdrücken, können Schwierigkeiten haben, sich in ihren Beziehungen authentisch auszudrücken und ihre Bedürfnisse zu kommunizieren. Dies kann zu Konflikten und Missverständnissen führen.

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Positive Psychologie vs. Toxische Positivität

Die positive Psychologie ist eine Strömung der Psychologie, die sich mit der Erforschung und Förderung menschlichen Wohlbefindens und Glücks auseinandersetzt. Erstmals verwendet wurde dieser Begriff von dem Psychologen Abraham Maslow in den Mit-Fünfzigern. Durch den Psychologen Martin Seligman wurde die positive Psychologie in den 1990er Jahren populär. Im Gegensatz zur traditionellen Psychologie, die oft auf die Diagnose und Behandlung von psychischen Störungen und Problemen ausgerichtet ist, legt die positive Psychologie den Schwerpunkt auf das Verständnis von Faktoren, die zu Wohlbefinden, Glück und einer erfüllten Lebensqualität beitragen. Der Unterschied zwischen toxischer Positivität und positiver Psychologie liegt darin, wie sie mit unangenehmen Gefühlen umgehen. Die positive Psychologie versucht das Wohlbefinden zu fördern und ermutigt gleichzeitig die Akzeptanz und einen gesunden Umgang mit unangenehmen Gefühlen, anstatt sie zu verdrängen. Das Verdrängen von Gefühlen kann zu Stress, Angstzuständen und Depressionen führen. Unverarbeitete Emotionen können sich im Laufe der Zeit aufstauen und zu ernsthaften psychischen Problemen führen. Nur die Gefühle, die da sein dürfen, dürfen auch wieder gehen.

Wie kannst du damit umgehen, wenn du dazu neigst, Gefühle zu verdrängen?

Akzeptanz und Authentizität sind Schlüsselkonzepte der positiven Psychologie. Akzeptanz meint, negative Gefühle anzuerkennen und wertfrei zuzulassen. Das kann dazu beitragen, sich schneller davon zu erholen. Authentizität, also „man selbst zu sein“, steht Studien zufolge im Zusammenhang mit einem gesteigerten Wohlbefinden.

Meditation und Achtsamkeit zu praktizieren kann dabei helfen, Emotionen wertfrei wahrzunehmen und im gegenwärtigen Moment zu leben.

Nimm dir die Zeit, um deine Emotionen zu erkunden. Du kannst dich immer wieder fragen, welche Bedürfnisse hinter deinen Gefühlen stehen. Beispielsweise könnte Wut entstehen, weil du dich ungerecht behandelt fühlst. Frage dich “Was brauche ich gerade?”. So hast du die Möglichkeit, Selbstmitgefühl zu zeigen. Diese Eigenschaft kann dabei helfen, dich selbst besser zu akzeptieren und mit dir mitfühlend umzugehen.

Wenn du merkst, dass du Probleme damit hast, Gefühle zuzulassen und vielleicht sogar traumatische Erfahrungen verdrängst, kannst du jederzeit professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.

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Geht Optimismus ohne toxische Positivität?

Wenn beispielsweise dein Umfeld eine negative Sicht auf die Welt hat und du dir mehr Optimismus wünscht, ist das nachvollziehbar. Schließlich zeigen Studien, dass Optimismus zu einem erhöhten Wohlbefinden führt. Du kannst diesen Wunsch offen kommunizieren, ohne anderen ihre Gefühle abzusprechen.

Je nachdem, um welches Problem es sich handelt, kannst du deine unangenehmen Gefühle anerkennen und gleichzeitig überlegen, was dir in dieser Situation helfen könnte, manchmal kann eine optimistische Betrachtung deiner Situation helfen. Um eine generell optimistische Haltung einzunehmen, hilft es, Dankbarkeit auch für die kleinen Dinge im Leben zu entwickeln, ohne andere Gefühle abzuwerten.

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie du andere auf toxische Positivität hinweisen kannst. Du könntest zum Beispiel sagen: Ich finde es gut, dass wir versuchen, auch die positiven Seiten der Situation zu sehen, trotzdem finde ich es wichtig, anzuerkennen, dass das wirklich eine blöde Situation ist und die Frustration nachvollziehbar und berechtigt ist“.

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Fazit: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, dann darfst du auch mal sauer sein!

Gefühle sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Menschseins. Sie erfüllen den wichtigen Zweck, uns auf unsere Bedürfnisse hinzuweisen. Toxische Positivität, die das Unterdrücken unangenehmer Gefühle fördert, kann eben diese verstärken und weitere problematische Folgen haben. Statt auf Krampf glücklich sein zu wollen, sollten wir uns bemühen, einen Zugang zu unseren Emotionen zu finden, sie zuzulassen und zu verarbeiten. Nur so kann Authentizität gelebt und eine gesunde psychische Verfassung gefördert werden.

Endlich ich selbst! Coming Out!

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Der Ausdruck “Coming out” bezieht sich ursprünglich auf „Coming out of the closet“. Die Verwendung des Begriffs „Closet“ (Schrank) stammt aus Zeiten, in denen z.B. Homosexualität stark tabuisiert und oft kriminalisiert wurde. Für viele Menschen war es notwendig, ihre wahren Gefühle und Identitäten vor anderen zu verbergen, um Diskriminierung, soziale Ausgrenzung oder sogar rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Der Schrank repräsentierte daher symbolisch den Zustand der Geheimhaltung. „Coming out of the closet“, sprich aus dem metaphorischen Schrank herauszutreten, bedeutet anderen zu zeigen, wer man wirklich ist.

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Kurze Begriffsklärungen: Das ABC des LGBTQIA+

LGBTQIA steht für unterschiedliche Begriffe, die dazu verwendet werden, sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten zu umfassen. Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual, Asexuell. Das Plus am Ende dient als Platzhalter für weitere Identitäten.
Hier ist eine Erklärung für jeden Buchstaben in der Abkürzung:

L Lesbian / Lesbisch: bezieht sich auf Frauen, die sich romantisch und sexuell zu anderen Frauen hingezogen fühlen.

G Gay / Schwul: bezieht sich auf Männer, die sich romantisch und sexuell zu anderen Männern hingezogen fühlen.

B Bisexual / Bisexuell: bezieht sich auf Menschen, die sich romantisch und sexuell zu Personen jeglichen Geschlechts hingezogen fühlen.

T Transgender: bezieht sich auf Personen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Das betrifft zum Beispiel Personen, die bei der Geburt als männlich klassifiziert wurden, sich jedoch als Frau identifizieren.

Q Queer: Oberbegriff für Personen, die nicht der zweigeschlechtlichen, cis-geschlechtlichen und/oder heterosexuellen Norm entsprechen.

I Intersexual / Intersex: bezieht sich auf Menschen, die körperliche Merkmale haben, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind. Intersexuelle Menschen können sich als männlich, weiblich oder in anderer Weise identifizieren.

A Asexual / Asexuell: Dies bezieht sich auf Menschen, die wenig bis gar kein sexuelles Verlangen oder Interesse an sexuellen Beziehungen haben.

+ Das Pluszeichen (+) am Ende der Abkürzung steht symbolisch für weitere Identitäten und Ausdrucksformen, die nicht in den Hauptbuchstaben enthalten sind, aber dennoch in der LGBTQIA+ Community vertreten sind.

Herausforderungen beim Coming Out

Queere Personen haben bis zum Coming Out vor Verwandten und Freunden oft einen langen Weg des inneren Coming Outs hinter sich. Sie haben innere Ängste, Zweifel und Unsicherheiten überwunden und ein authentisches Selbstbewusstsein entwickelt. Das innere Coming Out bedeutet, dass jemand beginnt, seine eigene Identität zu verstehen, zu akzeptieren und sich damit wohlzufühlen. Diese innere Identität nach außen zu tragen, kann mit verschiedenen Emotionen und Herausforderungen verbunden sein, da die Reaktionen der Menschen unterschiedlich ausfallen können.

Betroffene haben oft Angst vor Ablehnung, Diskriminierung oder Gewalt durch nahestehende Personen oder der Gesellschaft im Allgemeinen. Solche Erfahrungen zu machen kann traumatisch sein. Zudem besteht die Sorge, Freund:innen oder die Unterstützung von Familienmitgliedern zu verlieren. Dies kann schließlich zu Einsamkeit und Isolation führen. Sie leiden unter dem Druck, das eigene Leben und die eigene Identität zu verbergen, um Akzeptanz zu erlangen oder Gewalt zu vermeiden.

Ein Hindernis beim Coming Out kann ein Mangel an Ressourcen und Unterstützung sein, insbesondere für Jugendliche. Die Belastung und die emotionalen Herausforderungen, die mit dem Coming Out einhergehen, können dazu beitragen, bereits bestehende Angstzustände oder Depressionen zu verstärken.

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Chancen eines Coming Outs

Das Verbergen der eigenen Identität kann zu erheblichem Stress und Angst führen. Das Coming Out ermöglicht es queeren Personen, diese Belastung abzulegen und so Stress und Angstzustände zu reduzieren. Sich so anzunehmen und zeigen, wie man ist, kann sehr befreiend und erleichternd sein. So kann ein Coming Out die Selbstachtung und Selbstakzeptanz steigern.

Das Überwinden von Ängsten und Hindernissen beim Coming Out kann das Selbstvertrauen stärken und die Fähigkeit zur Bewältigung von Herausforderungen fördern. Außerdem kann sich das soziale Netzwerk verbessern, indem man Teil einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten werden kann. Diese Gemeinschaft kann eine wertvolle Quelle für Unterstützung und Freundschaft sein, die das Wohlbefinden und die Lebensqualität erheblich steigert. Gleichzeitig können bereits bestehende Beziehungen zu Freund:innen und Familienmitgliedern noch einmal vertieft werden.

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Tipps für Menschen, die vor dem Coming-out stehen

Es ist wichtig, dir bewusst zu machen, dass dein Coming-out eine individuelle und persönliche Entscheidung sowie Erfahrung ist. Du solltest dich also von niemandem darüber belehren lassen, wann, wo, wie, etc. du es tun solltest. Mach es auf deine eigene Art und Weise und in deinem eigenen Tempo. Wenn du dich noch nicht bereit fühlst, musst du dich (noch) nicht outen.

Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um dich auf die Veränderung vorzubereiten und dir zu überlegen, was und wie du es sagen willst. Vielleicht hilft es dir auch, mit einer vertrauten Person zu “üben”. Das gibt dir die Möglichkeit, Schritt für Schritt Unterstützung zu finden. Es könnte passieren, dass du auf negative Reaktionen triffst. Es kann dir helfen, dich darauf vorzubereiten und zu überlegen, wie du darauf reagieren möchtest. Eine Möglichkeit, dich darauf vorzubereiten, ist, vorab queere Themen anzusprechen, um herauszufinden, wie die Personen in deinem Umfeld damit umgehen.

Wenn du dich unsicher fühlst, kann es dir helfen, mit einer einzigen Person anzufangen. Wähle jemanden aus, bei dem du sicher bist oder eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass er/sie positiv reagiert. Es könnte auch jemand sein, der selbst queer ist und bereits geoutet ist. Diese Person kann dir bei weiteren Coming Outs zur Seite stehen und so könnt ihr gemeinsam ein Support-Netzwerk aufbauen. Alternativ zu einem Gespräch kannst du auch einen Coming Out-Brief schreiben, wenn du dich damit wohler fühlst. Verbindungen zu anderen LGBTQIA+-Personen herzustellen und zu erfahren, wie sie ihre Coming-Out-Erfahrung bewältigt haben, kann dir auch helfen.

Es existieren zahlreiche Online-Communities, die Unterstützung und Ressourcen zur Verfügung stellen. Beispielsweise findest du unter www.deincomingout.de/fuer-betroffene Ratgeber zum Coming-out in verschiedenen Kontexten. Es ist ratsam, sich über die rechtlichen Aspekte deines Coming Outs zu informieren, vor allem in Bezug auf Arbeit und Wohnen. Es bestehen rechtliche Schutzmechanismen, die vor Diskriminierung bewahren, wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Trotz der Herausforderungen, die mit dem Coming Out einhergehen können, birgt es auch viele positive Seiten, auf die du dich konzentrieren kannst. Dazu gehören eine gesteigerte Selbstakzeptanz und die Chance, authentischer zu leben. Es ist immer sinnvoll, Selbstfürsorge zu zeigen, besonders in schwierigen Zeiten. Falls es dir sehr schwerfällt, mit dem Coming-Out zurechtzukommen, besteht die Option, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Es gibt zahlreiche Therapeuten und Berater, die auf LGBTQIA+-Themen spezialisiert sind und Hilfe anbieten können.

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Wie kann ich angemessen reagieren, wenn sich eine Person bei mir outet?

Hier sind einige Tipps, die du berücksichtigen kannst, um unterstützend auf das Coming Out einer anderen Person zu reagieren: Beginne damit, dich für das Vertrauen zu bedanken, das dir die Person entgegengebracht hat. Ermutige sie, sich in ihrer Identität gestärkt zu fühlen. Frag vorsichtig nach, ob die Person bereit ist, mehr über ihre Erfahrungen zu teilen, und sei sensibel, wenn du Nachfragen stellst. Gib ihr Raum, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken. Erkundige dich, wie es der Person nach dem Coming Out geht. Zeige Empathie und Interesse an ihrem Wohlbefinden. Versichere der Person, dass du für sie da bist und sie unterstützen wirst, wann immer sie dich braucht. Schaffe eine Atmosphäre des Verständnisses und der Offenheit. Zusätzlich kannst du dich über LGBTQIA+-Themen informieren und dich für Gleichstellung und Akzeptanz engagieren.

Dir fehlen die Worte?

Was man z.B. sagen kann:

  • “Ich bin sehr froh, dass du es mir erzählt hast und ich bin immer für dich da.”
  • “Ich stehe bei allem hinter dir, was dich glücklich macht”.
  • “Du musst nicht weiter darüber sprechen, aber ich bin immer für dich da, wenn du reden möchtest.”

Sätze, die man beim Coming Out lieber nicht sagt:

Es ist wichtig zu verstehen, dass das Coming Out für viele queere Menschen einen bedeutsamen Schritt darstellt und keinesfalls mit dem Satz „Das spielt keine Rolle für mich.“ abgetan werden sollte. Vermeide zu sagen: „Ich wusste das schon immer.” oder „Stehst du jetzt auf mich?“. Es kann auch sehr herabwürdigend sein zu fragen, ob das eine Phase ist oder ob die Person sich sicher ist. Sei nicht verärgert, dass du “erst jetzt” darüber informiert wurdest. Wenn du den Drang verspürst, einen negativen Kommentar abzugeben, halte dich zurück und nimm dir Zeit, dich mit diesem Impuls auseinanderzusetzen. Respektiere die Gefühle und Erfahrungen der Person und sei sensibel und unterstützend, während sie sich dir so öffnet.

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Wie wird man zum Ally / Was kann ich als nicht-queere Person tun?

Für die LGBTQIA+ ist ein “Ally” (auf deutsch: Verbündte:r) eine Person, die sich bewusst und aktiv dafür einsetzt, Unterstützung, Verständnis und Gleichbehandlung für die LGBTQ+-Gemeinschaft zu fördern, obwohl sie selbst nicht queer ist.

Indem du queeren Menschen zuhörst und beachtest, dass nicht immer nach deiner Meinung oder Zustimmung gefragt wird, kannst du dein Interesse ausdrücken. Es lohnt sich zusätzlich, dich selbst zu informieren und fortzubilden. Vielleicht setzt du dich auch noch mal mit der Nutzung inklusiver Sprache auseinander. Es kann auch die Pronomen-Angabe normalisieren, wenn du dich mit deinen Pronomen vorstellst, obwohl du cis bist. Wenn du auf diskriminierende Situationen stößt, wie zum Beispiel queerfeindliche Witze oder Beleidigungen sowie die fehlerhafte Verwendung von Pronomen, kannst du aktiv handeln und dich für queere Personen einsetzen.

Das ermöglicht einen respektvollen Umgang mit queeren Menschen. Einige queere Menschen leiden auch unter Fetischisierung. Nur weil ein Mann homosexuell ist, heißt das nicht, dass er die klischee Version eines „schwulen besten Freundes“ sein möchte. Klischees und Stereotypen bewusst abzulegen ist genauso wichtig wie unvoreingenommen auf Personen einzugehen und nicht zu erwarten, dass sie heterosexuell oder cis sind. Sei bereit, aus Fehlern zu lernen und bleibe offen für Kritik und Feedback.

Wie es sich anfühlt, wenn man hochsensibel ist

Hochsensibilität ist in aller Munde und scheint schon fast zu einem Modebegriff geworden zu sein. Für manche bedeutet es eine Erlösung, andere halten es für Quatsch – aber auch wenn das Konzept Hochsensibilität von gewissen anderen Konzepten (noch) nicht scharf abzugrenzen ist, ist es mittlerweile wissenschaftlich gut untersucht und belegt. Nichtsdestotrotz – und obwohl schätzungsweise 15-20% aller Menschen davon betroffen sind – stehen Sprüche wie “Mein Gott, du bist aber empfindlich”, “Stell dich nicht so an” oder “Mach doch nicht immer aus einer Mücke einen Elefanten” für Hochsensible leider oft noch an der Tagesordnung. Aber was ist Hochsensibilität eigentlich genau und wie entsteht sie?

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Was bedeutet Hochsensibilität überhaupt?

Definition

Das Konzept der Hochsensibilität geht auf die amerikanische Psychologin Elaine Aron zurück. Man versteht darunter eine verstärkte Sensibilität gegenüber inneren und äußeren Reizen, die mit einer erhöhten Informationsverarbeitung bzw. einer tieferen Verarbeitung sämtlicher Reize im Gehirn einhergeht. Das kann sich sowohl auf kognitive Informationen, emotionale Intensität oder auch äußere körperliche und sensorische Reize – zum Beispiel Gerüche, Geräusche, Berührungen, Schmerzen oder extreme Temperaturen – beziehen. Hochsensible nehmen Reize also einerseits stärker wahr, verarbeiten sie tiefer und brauchen auch länger, um die Belastung durch die Reize wieder abzubauen. Das führt dazu, dass sie schneller reizüberflutet sind und für Dinge, die für andere ganz alltäglich sind, viel mehr Energie aufbringen müssen. Aufgrund ihrer erhöhten Sensibilität fühlen sich Hochsensible oft “falsch” und unverstanden, was dazu führen kann, dass sie ihre persönlichen Grenzen übergehen, um mithalten zu können. 

Hochsensibilität ist eine genetische Disposition, bei der innere (z.B. Gedanken oder Emotionen) sowie äußere (z.B. sensorische) Reize im Gehirn weniger stark gefiltert und tiefer verarbeitet werden. Es ist also eine sogenannte Neurodivergenz (wie z.B. auch ADHS oder Autismus), was bedeutet, dass die neurologische Entwicklung und Funktion der Betroffenen von der “typischen” Entwicklung und Funktion abweicht – eben in Bezug auf die Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen. Im Gegensatz zu ADHS oder Autismus ist Hochsensibilität aber nicht als Krankheit klassifiziert, weshalb es auch keine Hochsensibilitäts-Diagnose oder klinische Kriterien gibt.

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Abgrenzungen

Hochsensibilität weist gewisse Überschneidungen mit anderen psychologischen Konzepten auf, wofür sie auch immer wieder kritisiert wird.

Beispielsweise wird Hochsensibilität häufig mit Introversion gleichgesetzt. Sowohl Hochsensiblen als auch Introvertierten kann es im sozialen Kontext nämlich schnell mal zu viel werden. Tatsächlich ist die Mehrheit, nämlich ca. ⅔ aller Hochsensiblen introvertiert, es gibt jedoch auch extrovertierte Hochsensible. Diese genießen soziale Kontakte zwar und brauchen sie auch, um Energie zu tanken – trotzdem ist ihre Reizschwelle im Vergleich zu Nicht-Hochsensiblen niedriger und sie brauchen schneller mal eine Pause.

Auch mit der Persönlichkeitseigenschaft Neurotizismus gibt es gewisse Überschneidungen. Personen mit einer neurotischen Disposition weisen ebenfalls oft eine hohe Emotionalität auf und sind daher auch tendenziell eher ängstlich, unruhig und reizbar – Symptome, welche auch bei Hochsensiblen auftreten können, wenn ihre Reizschwelle überschritten ist. Im Gegensatz zum Neurotizismus ist Hochsensibilität jedoch eine neurologische – und somit angeborene – Disposition, bei der Reize im Allgemeinen anders verarbeitet werden. Sie hat also zum einen andere Ursachen und geht zudem über Neurotizismus hinaus, da eben nicht nur Emotionen, auch äußere Reize wie Gerüche, Geschmäcker oder Geräusche tiefer verarbeitet werden. 

Auch ein niedriges Selbstwertgefühl kann ähnliche Symptome wie Hochsensibilität aufweisen – zum Beispiel ebenfalls durch eine erhöhte negative Emotionalität, Empfindsamkeit und Kränkbarkeit. Hier gilt aber wie beim Neurotizismus, dass Hochsensibilität noch weitere Komponenten umfasst und vorwiegend auf einer neurologischen Grundlage basiert, nicht auf Erfahrungen und Kindheitsprägungen.

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Wie äußert sich Hochsensibilität und bin ich vielleicht auch hochsensibel?

Man unterscheidet vier Dimensionen der Hochsensibilität:

    • Gründliche Informationsverarbeitung: Hierbei geht es um die Verarbeitung kognitiver Informationen. Wer von dieser Dimension betroffen ist, denkt Dinge in der Regel extrem gründlich durch, analysiert viel, berücksichtigt alle Details und malt sich alle möglichen Szenarien aus. Viele Hochsensible neigen daher auch zum Grübeln. Die positive Seite ist, dass Hochsensible daher auch oft gewissenhaft, gut organisiert und analytisch stark sind, was ihnen im Beruf zum Vorteil kommen kann.
    • Emotionale Intensität: Hochsensible, welche diese Dimension aufweisen, haben eine große Amplitude emotionalen Empfindens. Sie empfinden also sowohl positive als auch negative Gefühle sehr intensiv und können entsprechend auch schnell von einer intensiven Emotion zur nächsten springen. Gehirnscans zeigen, dass bei Hochsensiblen positive wie negative Bilder in höheren Hirnarealen verarbeitet werden. Studien zeigen außerdem eine höhere Reaktivität auf Emotionen: Werden Bilder von Menschen mit Gefühlen (Angst, Ekel, Scham) gezeigt, dann fühlen Hochsensible stärker mit. Die Empathiefähigkeit ist bei Hochsensiblen daher oft auch besonders stark ausgeprägt.
    • Physiologische Erregbarkeit: Diese Dimension beschreibt, dass man leichter in einen Zustand der Übererregung und Überreizung gelangt, da die Reizschwelle niedriger ist. Ein Tag in einer neuen Stadt wird eine hochsensible Person zum Beispiel mehr anstrengen als andere Menschen, da mehr Reize und Details aufgenommen und tiefer verarbeitet werden. Nach diesem Zustand der Übererregung folgt bei Betroffenen oft eine Art “Reiz-Hangover”.
    • Sensorische Empfindlichkeit: Hochsensible, welche diese Dimension aufweisen, haben eine erhöhte sensorische Empfindsamkeit. Sie empfinden also manche oder alle Sinneswahrnehmungen stärker: Typisch sind z.B. starke Reaktionen auf Gerüche, Geschmäcker, Lärm, Hitze und Kälte oder bestimmte Stoffe auf der Haut.

Aus diesen Beschreibungen geht bereits hervor, dass Hochsensibilität gleichwohl Fluch und Segen sein kann: Einerseits sind Hochsensible anfälliger für Stress, (Über-)erregbarkeit und Erschöpfung. Sie brauchen dementsprechend für viele Dinge mehr Energie und müssen somit auch mehr Zeit für Pausen und Rückzug einplanen. Sie fühlen sich schneller und öfter überfordert und tendieren – insbesondere wenn sie ihre Reizschwelle überschreiten – zu Unruhe, Reizbarkeit und emotionaler Instabilität. Zudem besteht oft eine höhere Schmerzempfindlichkeit und eine Tendenz zum Grübeln. Hochsensibilität hat aber auch viele Vorteile: Hochsensible verfügen oft über eine besonders hohe Empathie und ein gutes Einfühlungsvermögen. Sie sind daher gefühlsintensive und aufmerksame Freund:innen und Partner:innen und empfinden zudem auch positive Emotionen oft intensiver als andere Menschen. Auch im Beruf kommt ihnen ihre Gewissenhaftigkeit, ihre gute Organisationsfähigkeit sowie oft auch eine erhöhte Kreativität, Fantasie und Ideenreichtum zugute. Dank ihrer starken analytischen Fähigkeiten sind Hochsensible oft gut darin, Dinge zu verknüpfen, haben ein Auge für Details und eine erhöhte Sensitivität für Ästhetik und Kunst.

Manche Menschen weisen alle vier Dimensionen auf, bei anderen ist nur eine stark ausgeprägt – daher kann das Erscheinungsbild auch zwischen verschiedenen Menschen stark variieren. Falls du dich von einer oder mehreren der Dimensionen angesprochen fühlst, kann es gut sein, dass du hochsensibel bist. Auch Online-Fragebögen, zum Beispiel unter https://www.zartbesaitet.net/ oder https://www.hsperson.com können hierüber Aufschluss geben. Da manche Menschen eben auch nur von einer Dimension betroffen sind, ist letztlich aber nicht der Gesamtscore entscheidend. Wichtig ist vielmehr, für sich herauszufinden, in welchen Bereichen man beeinträchtigt ist, um da für sich Maßnahmen ergreifen zu können.

Aber wieso ist es überhaupt wichtig, zu wissen, ob ich hochsensibel bin?

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Was bringt es mir überhaupt, zu wissen, dass ich hochsensibel bin?

Hochsensible sind häufig mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Sie werden leicht als überempfindlich und wenig belastbar abgestempelt, woraus sich Glaubenssätze wie “ich bin zu viel” oder “meine Emotionen und Bedürfnisse sind unangemessen” entwickeln können. Äußere Reaktionen wie “Stell dich nicht so an” oder “Reiß dich mal zusammen” werden verinnerlicht und vom inneren Kritiker reproduziert. Für Betroffene kann es daher eine große Erleichterung sein, zu hören, dass sie nicht “falsch” oder “zu viel” sind, sondern es sich um eine genetisch bedingte neurologische Disposition handelt.

Wenn man weiß, dass man hochsensibel ist und insbesondere auch, in welchen Bereichen man besonders betroffen ist, ermöglicht einem das auch, den Alltag auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen und so zu gestalten, dass er der persönlichen Reizschwelle entspricht. So kann man einen guten Umgang mit der Hochsensibilität finden, lernen, in welchen Bereichen man gut auf seine Grenzen achten muss und sich letztendlich somit viel Energie sparen.

Aber wie kann ich mir das Leben denn nun etwas leichter machen, wenn ich hochsensibel bin?

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Wie kann ich mit meiner Hochsensibilität umgehen?

Die gute Nachricht ist: Auch wenn Hochsensibilität eine genetisch bedingte Eigenschaft ist, gibt es viele praktische Tipps und Tricks, wie man seinen Alltag so anpassen und gestalten kann, dass man seiner eigenen Reizschwelle und Belastungsgrenze Sorge tragen kann.

    • Sich der persönlichen “Reizampel” bewusst werden: Wichtig ist, ein Bewusstsein für die eigene Reizschwelle und dafür zu entwickeln, was einen besonders stark anstrengt und einem “unter die Haut geht”. Je besser man diese Schwelle spürt, desto eher kann es gelingen, das eigene Reizniveau im Sinne einer Ampel zu beobachten und spätestens bei “Gelb” eine Pause einzulegen.
    • Klar kommunizieren und ein verständnisvolles Umfeld schaffen: Entlastend kann auch sein, dem Umfeld die erhöhte Sensibilität und die konkreten Bedürfnisse zu kommunizieren. So können andere einerseits besser verstehen, was in einem vorgeht, andererseits können sie so auch besser mitdenken und Rücksicht nehmen.
    • Ruhe- und Rückzugspausen fest einplanen: Wichtig ist, sich Erholung und Rückzugsbereiche fest einzuplanen. So sollte man in der Wochenplanung zum Beispiel mindestens einen freien Abend nur für sich einrechnen. Auch so kann man wieder vermeiden, dass man die eigenen Grenzen überschreitet.
    • Das Arbeitsumfeld anpassen: Wichtig ist auch, das Umfeld so weit wie möglich auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden. Für Angestellte kann das beispielsweise bedeuten, sich einen Tisch am Rand oder in der Ecke des Großraumbüros zu suchen, mit Noise-Cancelling-Kopfhörern zu arbeiten, fixe Pausen einzuplanen oder wenn möglich auch mal Home-Office-Tage einzubauen.
    • Das private Umfeld anpassen: Dasselbe gilt auch für das private Umfeld. Für Hochsensible, welche mit anderen Menschen zusammen wohnen, ist es oft wichtig, trotzdem einen Rückzugsort zu haben, der nur ihnen gehört. Das kann zum Beispiel ein eigenes Arbeits-, Musik- oder Sportzimmer sein; je nachdem können auch getrennte Schlafzimmer eine Entlastung bringen.
    • Regelmäßig und genug schlafen: Beim Schlafen werden nicht nur die Batterien wieder aufgeladen, sondern auch das Erlebte des vergangenen Tages verarbeitet. Für Hochsensible ist es also besonders wichtig, auf einen regelmäßigen und ausreichenden Schlaf zu achten, damit sie auftanken und die vielen erlebten Reize verarbeiten können.
    • Abgrenzungsfähigkeit stärken: Für Hochsensible ist es besonders wichtig, zu lernen, gesunde Grenzen zu ziehen. Sie tendieren nämlich oft dazu, ihre Grenzen zu überschreiten, um mit ihrem Umfeld “mithalten” zu können. Dies führt auf lange Sicht jedoch zu Überlastung, Erschöpfung und im schlimmsten Fall gar zu psychischen oder körperlichen Erkrankungen.
    • Ressourcenaktivierung: Wer mit einem lauten inneren Kritiker zu kämpfen hat, sollte sich auch auf die eigenen Stärken und Vorteile der Hochsensibilität konzentrieren. Das kann zum Beispiel die Kreativität, Gewissenhaftigkeit oder Empathiefähigkeit sein.
    • Selbstmitgefühl stärken: Auch dieser Punkt ist für Menschen ganz wichtig, die schon viele negative Reaktionen auf ihre Hochsensibilität erlebt oder gar verinnerlicht haben. Für sie ist es besonders wichtig, ihren eigenen Bedürfnissen und Grenzen mit Wertschätzung, Mitgefühl und Respekt zu begegnen.

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Wie gehe ich mit Hochsensiblen in meinem Umfeld um?

Für Personen, welche nicht hochsensibel sind, kann es oftmals schwierig sein, nachzuvollziehen, was in Hochsensiblen eigentlich vorgeht. Für Menschen, die also im Freundes- oder Familienkreis oder in der Partnerschaft mit einer hochsensiblen Person zu tun haben, kann es sehr hilfreich sein, sich darüber zu informieren. So gelingt es auch eher, Akzeptanz und Verständnis aufzubringen. Wichtig ist zudem auch, den Betroffenen die benötigte Ruhe und den Rückzug zu gewähren, statt dies zu bewerten oder sich davon persönlich angegriffen oder gekränkt zu fühlen. Für Hochsensible kann es auch extrem entlastend sein, wenn Personen in ihrem Umfeld sensitiv auf ihre Bedürfnisse sind, mitdenken und Rücksicht nehmen. Letztlich liegt die Verantwortung natürlich bei den Betroffenen, ihre Bedürfnisse und Grenzen zu kommunizieren – da dies aber auch Energie kostet, kann es natürlich sehr helfen, wenn man sich nicht jeden Tag mehrfach wiederholen muss.

Sexflaute – was tun?

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Was hinter der Sexflaute steckt

Sowohl von uns selbst als auch von anderen, die wir mehr oder weniger freiwillig in der Öffentlichkeit dabei beobachten dürfen, kennen wir das Phänomen: In der ersten Verliebtheitsphase kann man die Finger nicht von dem oder der anderen lassen. Auf einmal flacht die Leidenschaft aber ab und wir würden eigentlich am liebsten einfach nur noch kuschelnd gemeinsam vor dem Fernseher liegen – im Bett: Flaute. Man nennt das übrigens auch das “Panda-Syndrom”: Pandas kuscheln nämlich auch ganz viel, haben aber kaum Sex.

Auch wenn uns diese Phase leicht in Zweifel und Unsicherheiten in Bezug auf uns selbst und die Beziehung stürzen kann, ist das normal und gehört zu einer gesunden Beziehung. Es ist nämlich der Übergang vom Verliebtsein zur Liebe. Zur Flaute im Bett gehören oft zwei Ebenen: Die biologische und die psychologische.

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Die evolutionsbiologische Ebene

Beim Übergang von der Verliebtheitsphase zur Liebe findet ein Umschwung der Hormone statt, der dazu führt, dass die Leidenschaft abflacht. In der ersten Verliebtheitsphase, die bis zu 9-12 Monaten anhalten kann, wird besonders viel Dopamin ausgeschüttet. Dasselbe passiert übrigens bei Alkohol- oder Drogenkonsum. Darum fühlt sich Verliebtsein auch oft an, als wären wir “high”.

Dopamin ist nicht nur ein Glückshormorn, sondern auch das Hormon des “Haben Wollens”: Wenn wir mit etwas konfrontiert werden, was wir uns sichern wollen, was aber noch außerhalb unserer Reichweite liegt – beispielsweise einem möglichen Partner oder einer möglichen Partnerin – , wird Dopamin ausgeschüttet. Dopamin als “Hormon des Verlangens” verleiht uns den Antrieb, den wir brauchen, um unser Wunschobjekt zu erobern. Das gilt übrigens nicht nur für Bindung und Sex, sondern auch für andere Grundbedürfnisse wie zum Beispiel Nahrung.

Die erhöhte Dopaminausschüttung in der ersten Verliebtheitsphase soll uns evolutionär gesehen also die Motivation verleihen, unsere:n (potenzielle:n) Partner:in zu erobern, uns fortzupflanzen und Bindung herzustellen. Sex hat evolutionsbiologisch ja auch die Funktion, den oder die Partner:in an sich zu binden. Daher fördert übrigens auch Eifersucht häufig die Leidenschaft: Sobald der oder die Partner:in wieder unsicher erscheint, steigt auch die Lust, da sie uns helfen soll, Commitment zu sichern.

Dieser evolutionäre Plan beinhaltet jedoch in seiner zweiten Phase, dass irgendwann wieder Ruhe einkehrt: Da wir nicht für unendlich viele Nachkommen sorgen können, muss der Drang zur Fortpflanzung auch irgendwann wieder abflachen. Daher nimmt die Dopaminausschüttung nach ungefähr 9-12 Monaten wieder ab. Stattdessen übernimmt das “Kuschelhormon” Oxytocin das Ruder: Oxytocin stärkt die Bindung und sorgt für ein Gefühl von Nähe, Sicherheit und Stabilität. So wird evolutionstechnisch sichergestellt, dass auch genug Ressourcen zur Versorgung der Nachkommen da sind.

Evolutionär gesehen gehört es also zu einer gesunden Beziehung dazu, dass der Rausch der Leidenschaft nach einigen Monaten abflacht und sich stattdessen ein ruhiges, sicheres Gefühl von Liebe einstellt. Ganz häufig führt diese Entwicklung jedoch dazu, dass wir unsere Beziehung, unseren Partner oder unsere Partnerin – oder uns selbst – in Frage stellen: “Wieso ist es nicht mehr so aufregend wie am Anfang? Liebt er oder sie mich vielleicht nicht mehr? Will ich eigentlich etwas anderes? Bei anderen Paaren läuft es doch auch gut!”. Diese Zweifel können auf psychologischer Ebene zu einem Teufelskreis führen, durch den sich die Situation zuspitzt.

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Die psychologische Ebene

Eine häufige Beziehungsdynamik ist, dass ein Partner bzw. eine Partnerin mehr Sex möchte als der oder die andere. Das kann daran liegen, dass die Person einen höheren Sexualtrieb hat, körperliche Nähe ihre “love language” ist, und so weiter. Dies führt dazu, dass die andere Person oft ablehnt und sich aus den Augen des Partners oder der Partnerin “rar macht”. Der bzw. die fühlt sich wiederum zurückgewiesen und entwickelt Verlustangst und Unsicherheit. Da Sicherheit und Leidenschaft nunmal Gegenspieler sind, sorgt diese Unsicherheit dazu, dass bei der Person, die eh schon mehr Sex möchte, die Leidenschaft noch stärker angekurbelt wird. Durch die ständigen Versuche fühlt sich der oder die andere dagegen noch sicherer und die Lust sinkt noch mehr in den Keller: Zu erobern gibt es schließlich gar nichts, wenn einem jemand ständig hinterher rennt. So entwickelt sich eine Negativspirale mit immer stärker werdender Unsicherheit und Leidenschaft auf der einen, zunehmender Sicherheit und abnehmender Lust auf der anderen Seite. 

Bei einer solchen Imbalance ist es daher entscheidend, den Teufelskreis zu durchbrechen. Die Person, die sich mehr Sex und Nähe wünscht, sollte die Versuche erstmal einstellen, aufhören zu klammern und zurück in die Autonomie und Eigenständigkeit gehen. Wenn das Gegenüber einen wieder als unabhängige Person wahrnimmt, die auch ihr eigenes Ding macht, wird man direkt wieder begehrenswerter erscheinen.

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Weitere Gründe für die Flaute im Bett

Grundsätzlich gehört es also dazu und ist kein Grund zur Sorge, wenn nach der ersten Verliebtheitsphase die Lust auf Sex erstmal abnimmt. Es gibt neben den hormonellen Umständen aber auch noch weitere Gründe, die zur Sexflaute führen können:

1. Bindungsangst

Bei Bindungsängstlichen gibt es häufig einen drastischen Abfall in der Leidenschaft, sobald eine Beziehung verbindlich wird. Während die “normale” Abnahme der Leidenschaft am Ende der Verliebtheitsphase eher graduell abnimmt, ist es bei Bindungsängstlichen oft sehr plötzlich, sobald sich das Gefühl von Sicherheit und Verbindlichkeit einstellt. Zudem besteht bei Bindungsangst ein genereller Rückzug, der sich nicht nur auf Sex bezieht: Zum Beispiel meldet man sich weniger, ist weniger verlässlich, möchte auch sonst keine Nähe, und so weiter. Wenn Bindungsangst hinter der Sexflaute steckt, muss der oder die bindungsängstliche Partner:in erst die eigenen Prägungen auflösen bzw. sich zumindest damit auseinandersetzen, bevor sich an der Sexflaute etwas ändern kann.

2. Überangepasstheit

Auch Überangepasstheit kann dazu führen, dass die Lust an Sex vergeht. Überangepasste Menschen sind nämlich häufig sehr bemüht, Erwartungen zu erfüllen – selbst solche, die vielleicht nur in ihrem Kopf existieren. So kann es sein, dass überangepasste Personen von sich selbst erwarten, stets sexuell verfügbar zu sein, obwohl sie das gar nicht möchten – und auch wenn der oder die Partner:in das vielleicht gar nicht von ihnen verlangt. Durch diese Erwartungen fühlen sie sich jedoch zum Sex gedrängt, wodurch die Lust schnell vergehen kann. Häufig wird dies auf den oder die Partner:in projiziert: Vielleicht wird dem oder der eine Dominanz unterstellt und man erwartet, dass er oder sie ständig Sex will, obwohl er oder sie dies gar nie so geäußert hat. Dies kann zu einem Widerstand gegen den oder die Partner:in bzw. gegen Sexualität im Allgemeinen führen. Um dies aufzulösen, wäre es wichtig, sich erst mit den eigenen, hinter der Überanpassung stehenden Prägungen auseinanderzusetzen.

3. Weitere Lebensthemen und Prägungen

Auch andere Lebensthemen können der Leidenschaft im Weg stehen. Das können beispielsweise Selbstzweifel und Versagensängste sein, gepaart zum Beispiel mit der gesellschaftlichen Erwartung, es “im Bett bringen zu müssen” oder immer Sex haben zu wollen. Solche Erwartungen entsprechen toxischen Männlichkeitsvorstellungen und sind leider bei Männern immer noch weit verbreitet. Auch die Angst vor Kontrollverlust kann dazu führen, dass man sich beim Sex nicht gehen lassen kann und Mühe hat, sich auf den oder die Sexualpartner:in einzulassen.

Wer sich fragt, ob es eine alte Prägung ist, die der Leidenschaft im Weg steht, sollte sich fragen, ob das Thema auch in anderen Lebensbereichen auftritt. Wenn Versagensängste beispielsweise auch in anderen Bereichen wie Beruf oder im sozialen Umfeld auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um ein allgemeines Lebensthema handelt. Auch dann ist es wichtig, sich erst mit dem Thema und seinen Wurzeln auseinanderzusetzen, statt die Sexflaute als Symptom anzugehen.

4. Abgrenzungsschwierigkeiten

Auch für Personen, denen es schwer fällt, sich von äußeren Einflüssen abzugrenzen, kann es schwierig sein, im Bett abzuschalten. Das kann zum Beispiel bei Personen mit Hochsensibilität der Fall sein, aber ebenfalls bei Menschen mit hohem Kontrollbedürfnis und generell hoher Ängstlichkeit. Während manche Menschen Sex zum Abschalten nutzen, fällt es diesen Personen eher schwer, beim Sex loszulassen, wenn noch zu viel auf der To-Do-List steht. Hilfreich können da Imaginationsübungen sein: Man kann sich beispielsweise vorstellen, sämtliche ausstehende To-Dos in eine Kiste zu packen und diese wegzusperren – natürlich mit dem Vorsatz, sie später wieder bewusst aufzumachen. So kann es leichter fallen, sich auf den Moment zu konzentrieren und Zukunftssorgen auch in der Zukunft zu lassen.

5. Traumata und Missbrauchserfahrungen

Auch Traumata und vergangene Missbrauchserfahrungen können die Lust beeinträchtigen. Wenn ein solches Trauma vorliegt, sollte man unbedingt professionelle Hilfe in Form einer Traumatherapie in Anspruch nehmen und dieses erst aufarbeiten.

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Was wir gegen die Sexflaute tun können?

Auch wenn Phasen von Flaute im Bett durchaus dazugehören, gibt es einige Tipps und Tricks, mit denen wir uns das Leben ein bisschen leichter machen, aber auch das Feuer wieder entfachen können:

1. Druck rausnehmen und die Erwartungen anpassen

Grundsätzlich ist es erstmal ganz wichtig, den Erwartungsdruck rauszunehmen und die Realität zu akzeptieren. Medial und gesellschaftlich wird das Thema Sex häufig sehr hochgehangen, was zur Erwartung führt, dass es bei allen anderen doch ganz anders ist und man selbst falsch ist. Dies entspricht weder der Realität noch spielt es eine Rolle: Häufig fühlen sich Paare auch nicht unglücklich damit, weniger Sex zu haben als zum Beginn. Die negativen Gefühle tauchen oft erst durch die gefühlten Erwartungen auf. Wenn man sich von diesem Druck befreien kann, lebt es sich leichter.

2. Einfach mal anfangen und den/die Partner:in neu erkunden

Auch beim Sex kann der Appetit erst beim Essen kommen. Es kann also durchaus hilfreich sein, “einfach mal anzufangen”, sich aktiv und bewusst auf den Partner oder die Partnerin einzulassen und ihn oder sie nochmals mit allen Sinnen neu zu erkunden. So kann man den Dingen auf die Sprünge helfen. Wichtig ist selbstverständlich, dass dies im gemeinsamen Einvernehmen geschieht und sich niemand zu irgendetwas gedrängt fühlt.

3. Sich mit der eigenen Sexualität und den eigenen Fantasien auseinandersetzen

Für ein erfülltes Sexleben ist es essentiell, sich auch unabhängig vom Partner oder der Partnerin mit der eigenen Sexualität und den eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Fantasien auseinanderzusetzen. Dazu gehört einerseits, den Zugang zur eigenen Erotik und Sexualität zu hinterfragen: Gibt es vielleicht Prägungen aus der Erziehung oder Religion, die mir im Weg stehen? Habe ich überhaupt einen guten Zugang zu mir selbst? Bin ich generell in Kontakt mit meinen Wünschen und Bedürfnissen?
Andererseits gehört es auch dazu, die eigene Sexualität unabhängig von dem oder der Partner:in zu erforschen. Das bedeutet zum Beispiel, sich zu fragen, was eigentlich die eigenen, noch so geheimen Fantasien sind, den eigenen Körper bei der Masturbation zu erkunden, und so weiter.

4. Offene Kommunikation

Wenn man sich über die eigenen sexuellen Bedürfnisse und Wünsche im Klaren ist, ist es auch wichtig, diese dem Partner oder der Partnerin offen zu kommunizieren. Wichtig ist dabei, auf eine wertschätzende Kommunikation und Ich-Botschaften zu achten, statt den Partner oder die Partnerin mit Kritik und Vorwürfen zu konfrontieren. Beispielsweise kann man sagen: “Ich würde xy so gerne mal mit dir ausprobieren”, oder “Ich habe gemerkt, dass mir xy besonders gut gefällt”, statt zu sagen “So wie DU es machst, gefällt es mir nicht”. Darüber hinaus kann beim Sex ja auch vieles über nonverbale Kommunikation gehen: Man kann dem oder der Partner:in auch einfach mal im Eifer des Gefechts zeigen, was einem gefällt.

5. Vergangene Situationen analysieren

Hilfreich kann es auch sein, sich mit vergangenen gemeinsamen sexuellen Erlebnissen zu beschäftigen und sich zu fragen: “In welchen Momenten oder Situationen hatten wir besonders guten Sex? Wieso war der so gut? Was sind die idealen Umstände für unseren Sex?”

6. Neues entdecken

Genauso, wie es hilfreich sein kann, sich mit alten “Erfolgen” zu beschäftigen, ist es auch wichtig, Neues zu entdecken. Unbekanntes und Überraschendes ist schließlich leidenschaftsförderlich! Dies kann natürlich sowohl allein als auch mit dem Partner oder der Partnerin geschehen.

7. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Falls die Sexualität ein bleibendes Problem in der Beziehung ist oder eine ständige Imbalance besteht, kann es sich auch lohnen, eine Paar- bzw. Sexualtherapie in Anspruch zu nehmen. Diese schafft einen Rahmen für eine offene Kommunikation und kann durch neue Lösungsansätze helfen, Ausgeglichenheit in die Situation zu bringen.

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Negative Gefühle – berechtigt oder belastend?

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Angemessene und unangemessene Emotionen

Wut, Trauer, Angst, Scham, Schuld, Ekel, Eifersucht: Negative Gefühle können sich ganz schrecklich anfühlen. Aber auch wenn wir sie am liebsten komplett vermeiden würden, sind sie ganz wichtig für uns: Sie geben uns nämlich ein Warnsignal, wenn eines unserer Grundbedürfnisse bedroht oder nicht erfüllt ist. Sie schützen uns also vor Gefahren und motivieren uns, etwas zu verändern, wenn wir uns in einer Situation befinden, die nicht gut für uns ist. Negative Emotionen sind also grundsätzlich genauso wichtig wie positive, und wir sollten sie daher auch genauso zulassen und spüren.

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Trotzdem gibt es Situationen, in denen wir unsere negativen Gefühle nicht ohne Wenn und Aber hinnehmen sollten – und wo sie uns vielleicht sogar an der Nase herumführen. In der Psychologie spricht man diesbezüglich von adaptiven (angemessenen) und maladaptiven (unangemessenen) Emotionen. Bei den adaptiven Emotionen passt unsere emotionale Reaktion von ihrer Art und Intensität zum Auslöser. Wenn wir von unserem Partner oder unserer Partnerin betrogen werden, ist es absolut angemessen, wenn wir darüber erstmal wütend und traurig sind. Diese Emotionen zuzulassen hilft uns dann auch dabei, das Geschehene zu verarbeiten. Bei maladaptiven Emotionen fehlt dieser klare Zusammenhang zwischen Ursache und Reaktion. Das äußert sich in der Regel in überschießenden emotionalen Reaktionen auf ein Ereignis, das objektiv gesehen gar nicht so wild war. Eine maladaptive Emotion wäre zum Beispiel, wenn wir einen riesigen Wutanfall kriegen, weil wir uns beim Essen versehentlich mit Tomatensauce bekleckert haben. Aber was steckt eigentlich hinter diesen übermäßigen Emotionen?

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Introjektion und Projektion

Hinter den maladaptiven Emotionen stecken ganz oft sogenannte Introjektionen und Projektionen. Diese Begriffe kommen ursprünglich aus der Psychoanalyse, werden heute aber in vielen verschiedenen Therapieansätzen verwendet.

Von einer Introjektion spricht man, wenn äußere Realitäten – zum Beispiel Annahmen, Werte oder Normen, die man von den Eltern oder in der Schule gelernt hat – verinnerlicht werden, so dass sie Teil des “Ichs” werden. Das klingt erstmal kompliziert, meint aber nur, dass wir etwas zu einem Teil von uns machen, was eigentlich gar nicht zu uns gehört. Eine Introjektion kann zum Beispiel sein, wenn wir unsere politische Anschauung von unseren Eltern übernehmen, ohne sie groß zu überdenken. Die verinnerlichten Annahmen nennt man dann “Introjekt”. Das Schattenkind – also die negativen Prägungen unseres inneren Kindes – und seine Glaubenssätze sind ebenfalls klassische Introjektionen. Wenn uns beispielsweise von unserer Mutter früher immer gesagt wurde, dass wir ein Nichtsnutz sind und wir daher heute den Glaubenssatz verinnerlicht haben, dass wir zu nichts gut sind, handelt es sich bei dieser Annahme um ein Introjekt.

Diese Introjektionen können wiederum oft zu Projektionen führen. Projektion bedeutet, dass wir etwas, was eigentlich zu uns selbst gehört, auf andere übertragen. Man unterstellt dem Gegenüber also gewisse Emotionen, Meinungen oder Verhaltensweisen, die aber eigentlich aus dem eigenen Selbst stammen. Die Projektion ist somit sozusagen das Gegenstück zur Introjektion. Ein klassisches Beispiel für eine Projektion wäre, wenn eine Person, die sich aufgrund ihrer Schattenkind-Prägung leicht andern unterlegen fühlt, extrem verletzt auf die kleinste Kritik reagiert und ihrem Gegenüber sofort Dominanz und Aggression unterstellt. Statt zu sehen, dass sie selbst sensibel auf kritische Anmerkungen reagiert (also ein Unterlegenheitsgefühl introjiziert hat), projiziert sie dies auf die andere Person und unterstellt ihr, dass die sich ihr überlegen fühlt und einfach total arrogant ist. Wir reagieren übrigens häufig deshalb mit Projektion auf die Introjektion, da Projektion ein Schutzmechanismus für die durch die Introjektion verinnerlichten Annahmen sein kann. Projektionen dienen also oft der Aufrechterhaltung des Selbstbilds: Wenn die anderen schuld sind, kann ich ja schließlich nicht ich das Problem sein. Das entlastet das Selbstwertgefühl.

Aber wieso sind die Introjektionen und Projektionen überhaupt so wichtig?

Ganz häufig lösen die Annahmen, die Introjektionen und Projektionen zugrunde liegen, sehr starke Emotionen in uns aus. Diese sind einerseits besonders schmerzhaft, da sie aus alten Wunden (und nicht aus der aktuellen Situation) herrühren. Andererseits werden wir durch die Introjektionen und Projektionen auch oft auf die falsche Fährte gelockt, wenn wir ein negatives Gefühl auflösen wollen: Wenn wir zum Beispiel aufgrund unserer Erziehung den Glaubenssatz verinnerlicht (also introjiziert) haben, dass wir nicht gut genug sind, werden wir ständig versuchen, “besser” zu werden – also noch mehr zu leisten, attraktiver und witziger zu sein, und, und, und –, um dieses negative Gefühl aufzulösen. Das wird aber nicht funktionieren, da der Glaubenssatz (und damit einhergehend das negative Gefühl) ja eben nicht zu uns, sondern zu unseren Eltern gehört. Nur wenn wir uns dessen bewusst werden und die Verantwortung unseren Eltern zurückgeben, können wir auch das negative Gefühl auflösen. Das Gleiche gilt für die Projektion: Auch hier können wir ein negatives Gefühl nur auflösen, wenn die Verantwortlichkeit am richtigen Ort liegt – diesmal gehört sie aber zu uns, und nicht zu unserem Gegenüber. Wenn wir uns vorgaukeln, dass ein Problem eigentlich bei unserem Gegenüber liegt und unseren eigenen Anteil nicht sehen, sind Konflikte oft sehr schwer aufzulösen.

Uns unserer Introjektionen und Projektionen bewusst zu werden, ist also ganz zentral, um herauszufinden, welche negativen Emotionen uns wichtige Hinweise zum Status unserer Bedürfnisse geben und welche nur von willkürlichen Prägungen konstruiert werden – und wie wir diese auflösen können. Aber wie können wir denn nun konkret feststellen, ob wir gerade von einer alten Prägung geleitet werden, oder ob wir uns auf unser Gefühl verlassen dürfen?

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Ist das grade eine Projektion oder passt es mir wirklich nicht?

Tatsächlich kann es oft schwierig sein, zu unterscheiden, ob wir gerade von unserem Schattenkind gesteuert werden, oder ob es eine objektive Ursache gibt, zu welcher unsere Emotion in einem angemessenen Verhältnis steht. Es gibt übrigens auch Mischformen – oftmals werden Emotionen, die einen objektiven Auslöser haben, durch die Schattenkind-Prägungen einfach unverhältnismäßig verstärkt.

Das Wichtigste ist also, dass wir uns unserer Introjektionen bewusst werden. Wir müssen also erstmal herausfinden, welche negativen inneren Annahmen und Glaubenssätze aus der Kindheit auch heute noch häufig aktiviert werden. Man kann sich das vorstellen, wie eine Brille, durch die man die heutige Realität sieht: Nur wenn wir verstehen, wie sie geformt und gefärbt ist, können wir auch unseren heutigen Blick auf die Welt richtig interpretieren.

Um herauszufinden, welche negativen Glaubenssätze bei uns vorherrschen, kann es helfen, an vergangene Momente zurückdenken, wo wir ganz starke negative Emotionen gespürt haben. Vielleicht gibt es da ja auch solche, wo wir eigentlich selbst nicht ganz verstanden haben, wieso wir da so heftig reagiert haben. Das ist oft ein guter Hinweis darauf, dass das Gefühl aus einer alten Prägung – einer Introjektion – hergerührt hat. Wichtig ist, sich die Situation genau ins Gedächtnis zu rufen und dabei in sich hineinzuspüren. Welche Gefühle waren aktiviert? Welche Annahmen stehen dahinter? Kommen mir diese Gefühle und Annahmen vielleicht aus meiner Kindheit bekannt vor – habe ich diese vielleicht schon mal von meinen Eltern gehört?

Wenn man sich in einer konkreten Situation fragt, ob dies ein angemessenes Gefühl ist oder ob das Schattenkind am Werk ist, kann es auch helfen, eine Außenperspektive einzunehmen. Wir können uns zum Beispiel als unbeteiligte Richterin oder unbeteiligten Richter sehen, der oder dem dieser Fall zur Beurteilung vorgelegt wird. Diese rationale Außenperspektive ist deshalb so wichtig, weil in der Emotion zu sein ja auch immer bedeutet, dass man stark mit dem Gefühl identifiziert ist. Wenn man sich gerade im Moment total wertlos fühlt, ist die introjizierte Annahme für einen also gerade Realität. Wenn man jedoch aus dem Gefühl rausgeht und von außen auf die Situation guckt, gelingt es in der Regel ganz gut, zu unterscheiden, was zu einem selbst und was zur auslösenden Situation gehört.

Indem wir uns also unserer persönlichen Projektions-Brille bewusst werden, können wir unsere maladaptiven Emotionen also besser identifizieren und mit ihnen umgehen. Aber was, wenn es uns trotz allem total schwer fällt, einfach mal gut sein zu lassen und unsere negativen Emotionen loszulassen?

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Wie kann ich meine negativen Emotionen loslassen?

Negative Emotionen können uns total einnehmen. Und obwohl sie sich oft ganz furchtbar anfühlen, fällt es uns manchmal schwer, sie loszulassen. Häufig liegt das daran, dass wir – meist unbewusst – einen Vorteil darin sehen, an der Emotion festzuhalten. Man stelle sich zum Beispiel eine Beziehung vor, in der man eigentlich total schlecht behandelt wird. Diese Beziehung gibt uns zwar ein wahnsinnig schlechtes Gefühl: Wir fühlen uns nicht gut genug, klein und wertlos und können nichts richtig machen, egal was wir tun. Wenn wir diese Unzulänglichkeitsgefühle jedoch in die Wüste schicken und uns eingestehen würden, dass wir es nicht verdient haben, so behandelt zu werden, würde das konsequenterweise auch bedeuten, dass wir uns trennen müssen.

Wir haben also die Wahl, entweder die negativen Gefühle auszuhalten oder die Beziehung zu beenden. Gerade für Menschen mit Verlustangst scheint die erste Option dann oft wie das geringere Übel. Auch andere Motive wie zum Beispiel die Wahrung des eigenen Selbstbilds oder Loyalitätskonflikt in Bezug auf die eigenen Eltern können uns daran hindern, unsere Emotionen wirklich aufzulösen. Wenn wir also merken, dass wir es nicht schaffen, eine eigentlich unangenehme Emotion loszulassen, sollten wir genauer hingucken und uns selbstkritisch hinterfragen.

Umgekehrt gibt es jedoch auch Fälle, in denen negative Emotionen zu schnell losgelassen werden. Viele von uns haben gelernt, dass es wichtig ist, stets sofort zu verzeihen, wenn uns Unrecht getan wurde. Dieser Anspruch kann aber auch dazu führen, dass – eigentlich berechtigte! – Emotionen wie Wut und Frustration unterdrückt werden, obwohl es für die Verarbeitung eigentlich ganz wichtig wäre, sie zu spüren. Ein klassisches Beispiel ist der eigene Anspruch, den eigenen Eltern für das Unrecht, das man von ihnen in der Kindheit erfahren hat, zu verzeihen.

Auch wenn der Gedanke dahinter natürlich schön ist, reproduzieren wir damit häufig dieselben Muster, die uns eigentlich das Leben schwer machen: Wir übernehmen die Verantwortung dafür, dass unsere Beziehung zu unseren Eltern gelingt, statt für unsere eigenen Bedürfnisse einzustehen und Verantwortung zurückzugeben. Oft zeigt sich auch, dass das Verzeihen gar nicht mehr so eine große Rolle spielt, wenn die negativen Emotionen auch gespürt und verarbeitet wurden. Auch hier ist es also ganz wichtig zu merken, ob die Emotion dem Auslöser angemessen ist oder nicht, oder ob sie uns Hinweise darauf geben kann, was wir eigentlich brauchen.

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Fazit

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass negative Emotionen ganz wichtig sind und Warnsignale dafür sein können, wenn die aktuelle Situation nicht dem entspricht, was wir brauchen. Diese Emotionen zu spüren und nicht zu verdrängen, ist ganz wichtig für unsere psychische und körperliche Gesundheit. Trotzdem sollten wir nicht immer glauben, was wir fühlen – einige Emotionen gehen nämlich nicht auf objektive Ursachen zurück, sondern sind vielmehr alte Wunden aus der Kindheit, die wir auf die heutige Realität projizieren. Diese zu erkennen ist wichtig, da sie oftmals ganz besonders schmerzhaft sind, uns aber auch beim Führen glücklicher Beziehungen im Weg stehen können. Dazu sollten wir uns mit unseren introjizierten Glaubenssätzen auseinandersetzen und uns der “Brille” unserer alten Prägungen bewusst werden, durch die wir die heutige Realität wahrnehmen. Das Ziel ist also, unser Gespür dafür zu schärfen, wann uns unsere negativen Emotionen weiterhelfen – und wir sie auch selbstfürsorglich annehmen und zulassen sollten –, und wann wir ihnen dagegen nicht alles glauben sollten.

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Das Leben ist schön! Was macht ein erfülltes Leben aus?

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Der Autor John Strelecky  gibt  in seinem Buch “The Big Five for Life“ eine Antwort auf diese große Frage. Diese Antwort ist aber kein Leitfaden, wie wir ab jetzt unser Leben zu führen haben, sondern gibt uns Hinweise darauf, wie wir für uns ganz individuell herausfinden können, was wir wirklich für unser Leben wollen. Hierbei  kann uns das Konzept der “Big Five for Life” helfen.

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Was sind die Big Five for Life?

Die Big Five stehen für fünf Dinge, die wir erleben oder tun möchten, damit wir am Ende unserer Tage auf ein glückliches, erfolgreiches und erfülltes Leben schauen können. Diese fünf Dinge sind natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sie sollen uns dabei helfen, das Leben so zu leben, wie wir uns es vorstellen. Haben wir erstmal diese fünf Dinge für uns herausgefunden und können die Aufmerksamkeit auf sie lenken, dann können wir all unsere Zeit, Energie und (finanziellen) Ressourcen für unsere fünf Ziele einsetzen.

Aber was sind nun diese fünf Dinge? Das muss jede:r für sich selbst entscheiden. Es kann etwas Kurzfristiges sein, wie beispielsweise der Wunsch, unbedingt mal in Australien den Sonnenaufgang gesehen zu haben oder einmal im Leben Fallschirm zu springen. Es können aber auch Dinge sein, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Leben ziehen, wie z. B. eine liebevolle Beziehung zu den Menschen zu haben, die einem am wichtigsten sind.

Haben wir diese Dinge für uns herausgefunden, müssen wir uns die Frage stellen, wie wir diese führenden Prinzipien in explizite Handlungen umwandeln und sie im Alltag umsetzen können. So werden die Big Five for Life zu unserem Purpose of Existence (dt.: Zweck der Existenz). Also zur Frage, warum wir auf dieser Erde existieren und was wir mit unserer Zeit, die wir hier noch haben, tun möchten.

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Glückliches Leben mit den Big Five for Life?

Aber wie finden wir eine Antwort auf diese Frage und wie finden wir heraus, was unsere Big Five for Life sind? Eins ist klar: Die Antwort wird nicht einfach in unserem Kopf wie eine Push-Benachrichtigung aufploppen. Es kann ein längerer Prozess sein, herauszufinden, was wir wirklich wollen, um ein glückliches Leben zu führen. Auch hier muss jeder Mensch seinen eigenen Weg finden.

Was jedoch immer helfen kann: Sich Zeit für sich nehmen – ganz alleine. In die Natur fahren, spazieren gehen, mal das Handy in den Flugmodus schalten und sich die Frage stellen: Warum bin ich hier? Lassen wir unseren Gedanken freien Lauf, werden wir irgendwann von selbst auf die Antwort der Frage kommen. Wenn wir uns jeden Tag die Zeit nehmen und uns immer wieder dieselbe Frage stellen, setzt sich langsam ein Bild von dem zusammen, was wir wirklich wollen.

Angst: Hindernis oder Motivation?

Haben wir erkannt, was wir wollen, geht es an die Umsetzung. Das klingt ziemlich leicht, wenn man es hier liest, es kann aber einiges an Kraft und Mut erfordern. Realisieren wir zum Beispiel, dass unser Partner oder unsere Partnerin nicht der oder die Richtige fürs Leben ist oder wir nochmal einen ganz neuen Job anfangen möchten, bedeutet das: Veränderung. Veränderung, die dazu beiträgt, dass wir unseren Big Five for Life näherkommen. Nämlich beispielsweise einen Job ausüben, der uns erfüllt oder unsere Zeit mit einem/einer Partner:in, den oder die wir innigst lieben, verbringen.

Woher nehmen wir den Mut? Wie finden wir den Antrieb wirklich etwas zu ändern? Hier ist es wichtig, uns vor Augen zu führen, wovor wir Angst haben und welche Angst uns leitet. Ist es die Angst vor dem Versagen, vor dem Alleinsein oder vor der großen Unsicherheit? Denn wir haben die Wahl: Wollen wir uns von den Ängsten leiten lassen, die uns daran hindern, das zu erreichen, was wir wirklich wollen? Oder möchten wir uns vor der Angst, die am gewaltigsten ist und die wir alle in uns haben – die Angst vor dem Tod – motivieren lassen? Sich davon zu motivieren zu lassen, klingt vielleicht etwas makaber. Aber so ist es doch: Unsere größte Angst ist es, irgendwann zu sterben und zu wissen, dass wir nicht das Leben geführt haben, das wir wollten. Und von diesem Gedanken müssen wir uns antreiben lassen, Entscheidungen treffen und die Dinge in die Hand nehmen. Auch wenn es sehr schwer sein kann.

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Hürden bezwingen

Gehen wir nochmal genauer auf die Ängste ein, die uns daran hindern, unsere Big Five for Life anzugehen.

1. Mangelndes Selbstvertrauen und -bewusstsein 

Häufig glauben wir nicht daran, dass wir schwierige Situationen in unserem Leben meistern können, wenn sie bevorstehen. Doch am Ende stehen wir da und haben es doch irgendwie geschafft . Also merken wir uns: Wenn wir selbstbewusst in irgendwas “kleinem” sind, dann können wir selbstbewusst in allem werden.

Was heißt das? Ganz einfach: Kommt uns eines unserer Ziele im Leben zu groß vor, sollten wir etwas Kleines finden, das damit zu tun hat und darin besser werden. Wenn wir heute mit etwas anfangen und uns jeden Tag 15 Minuten damit beschäftigen, dann sind wir nach einem Monat schon viel besser darin. Und so kommen wir Schritt für Schritt zum großen Ziel.

2. Die Angst vor dem Versagen 

Haben wir Angst davor zu versagen, sollten wir uns damit auseinandersetzen, wieso das so ist. Vielleicht haben wir Erfahrungen in unserer Kindheit gemacht, die dazu geführt haben,  dass wir uns heute nicht trauen, neue Dinge auszuprobieren. Wir müssen diese Erfahrungen ausfindig machen und sie gehen lassen. Denn diese Erfahrungen prägen unsere Sicht auf das Leben und können uns daran hindern zu wachsen.

Machen wir uns klar, dass wir in unserem Leben Erfahrungen machen, um zu wachsen. Wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir unsere Erfahrungen annehmen und selbst vermeiden, diese beispielsweise an unsere Kinder weiterzugeben. Es ist eine Herausforderung, aber es lohnt sich, darüber zu reflektieren. Denn die Angst vor dem Versagen hindert uns daran, etwas zu verändern.

3. Unsicherheit

Oft sind wir uns überhaupt nicht sicher, wohin wir in unserem Leben wollen und machen es uns in unserer Komfortzone so richtig gemütlich. Es ist einfach im Hamsterrad des Lebens zu laufen, wenn wir gar nicht wissen, wie es außerhalb dieses Rades aussehen könnte. Also machen wir uns bewusst, was unsere Chancen sind. Aber machen wir uns vor allem bewusst, welche Chancen wir ergreifen möchten und was die großen Ziele unseres Lebens sind. Denn das gibt uns einiges an Sicherheit.

Möchten wir z. B. einen Job finden, der uns erfüllt, trauen uns aber nicht, den alten Job zu verlassen, hilft vielleicht dieser Gedanke: Wenn ich in einem Beruf gut sein kann, der nicht perfekt ist. Wie gut könnte ich dann in einem Job sein, für den ich mich wirklich interessiere und brenne?

Dieser Gedanke lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen.

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Ziele im Leben umsetzen

Aber wo und wie fangen wir überhaupt an, unsere Big Five for Life im Leben umzusetzen? Ein Ansatz ist das Wie? vs. Wer?: Oft wissen wir überhaupt nicht, wie wir etwas anfangen sollen. Wir stecken fest und fangen gar nicht erst an, weil wir nicht wissen, wie. 

Deshalb könnte es helfen, uns jemanden herauszusuchen, der schon mal genau das gemacht hat, was wir uns schon so lange vornehmen. Und sind wir mal ehrlich: Wer anständig googelt, findet immer jemanden, der oder die irgendwas zum ersten Mal gemacht hat. Wir können uns dann also anschauen, wie diese Person es gemacht hat und sie zum Vorbild nehmen. Dann müssen wir es im Prinzip nur nachmachen.

Gehen wir mal davon aus, wir wollen einen eigenen Podcast starten. Dann gibt es vermutlich Tausende von Menschen, an denen wir uns orientieren können. Es gibt sogar Podcasts darüber, wie man einen Podcast startet.

Brauchen wir Ziele?

Jetzt haben wir in diesem Beitrag vor allem die fünf großen Ziele im Leben thematisiert. Aber braucht wirklich jeder Mensch Ziele oder kann man nicht auch einfach mit dem Flow gehen und das Leben genießen? Sagen wir mal so: Wenn man beispielsweise das Leben ganz entspannt angehen möchte, ohne sich etwas Großartiges vorzunehmen, dann ist alleine das schon eins der Big Five for Life.

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Selbstwert endlich leben!
Der kostenfreie LIVE Online-Workshop mit Stefanie Stahl

Stefanie Stahl und Lukas Klaschinski laden dich zu ihrem exklusiven Workshop ein, in dem ihr gemeinsam herausfindet, wie du deinen wahren Selbstwert kennenlernst und ihn in ein erfüllendes Lebensgefühl wandelst.
Termine: 11.06. und 12.06. um jeweils 19.00Uhr
Mutter und Kind umarmen sich im Schnee

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