Selbstwert

Vaterkomplex verstehen – Wie deine Vaterbeziehung dein Leben beeinflusst

„Daddy Issues“ ist schnell gesagt. Oft wird der Begriff abwertend benutzt, vor allem gegenüber Frauen: wenn sie ältere Männer daten, viel Bestätigung suchen oder in schwierigen Beziehungsmustern stecken. Psychologisch greift diese Zuschreibung aber viel zu kurz.

Ein Vaterkomplex beschreibt keine Diagnose, sondern mögliche Spuren früher Erfahrungen mit dem Vater oder einer väterlichen Bezugsperson. Diese Erfahrungen können beeinflussen, wie wir Nähe erleben, wie sicher wir uns in Beziehungen fühlen, wie wir unseren Selbstwert entwickeln und welche Partner:innen wir wählen.

In diesem Beitrag schauen wir differenziert darauf, was hinter dem Begriff steckt, warum „Daddy Issues“ problematisch ist und wie alte Prägungen mit Vaterbezug im Erwachsenenleben verändert werden können.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Vaterkomplex wirklich?

Gibt es den Vaterkomplex als Diagnose?

Der Begriff Vaterkomplex wird häufig verwendet, um zu beschreiben, dass frühe Erfahrungen mit dem Vater oder einer väterlichen Bezugsperson bis ins Erwachsenenleben nachwirken. Eine klinische Diagnose ist er jedoch nicht. Psychologisch wird meist genauer von Bindungsmustern, Beziehungserfahrungen oder frühen Prägungen gesprochen.

Gemeint sind dabei häufig Themen wie:

  • Angst vor dem Verlassenwerden
  • Sehnsucht nach Anerkennung
  • Idealisierung von Partner:innen
  • Probleme mit Nähe und Distanz
  • Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen
  • Wiederholung instabiler Beziehungsmuster

Umgangssprachliche Begriffe wie „Daddy Issues“ greifen dafür oft zu kurz, weil sie komplexe Erfahrungen schnell abwerten oder vereinfachen. Hilfreicher ist die Frage: Welche Beziehungserfahrungen habe ich früh gemacht und wie beeinflussen sie heute meinen Selbstwert, meine Bindung und meine Partnerwahl?

Die psychologische Perspektive: Bindung und innere Arbeitsmodelle

Psychologisch präziser ist der Blick auf Bindungsmuster. Die Bindungstheorie von John Bowlby und Mary Ainsworth beschreibt, dass Kinder durch frühe Beziehungserfahrungen innere Arbeitsmodelle entwickeln.

Diese inneren Modelle beantworten unbewusst Fragen wie:

  • Bin ich liebenswert?
  • Sind andere verlässlich?
  • Darf ich Bedürfnisse haben?
  • Wird Nähe sicher oder unsicher erlebt?
  • Was muss ich tun, um Aufmerksamkeit zu bekommen?

Diese Modelle entstehen durch alle wichtigen Bezugspersonen, also auch durch den Vater. War der Vater emotional verfügbar, verlässlich und zugewandt, kann das Sicherheit fördern. War er abwesend, unberechenbar, kritisch oder emotional verschlossen, kann das spätere Beziehungsmuster negativ beeinflussen.

Warum der Begriff oft problematisch und wertend ist

Der Begriff „Daddy Issues“ wird häufig benutzt, um Menschen zu beschämen, statt ihre Erfahrungen zu verstehen. Besonders Frauen werden damit schnell sexualisiert oder moralisiert.

Dabei geht es in Wahrheit nicht um „komisches Datingverhalten“, sondern oft um alte Bindungsverletzungen. Aber auch Männer, nicht-binäre Menschen und Menschen aller sexuellen Orientierungen können durch eine schwierige Vaterbeziehung geprägt sein.

Hilfreichere Begriffe sind deshalb: frühe Bindungserfahrungen, Vaterkomplex oder verinnerlichte Beziehungsmuster.

Wie die Vaterbeziehung unsere Entwicklung prägt

Was Kinder vom Vater über sich selbst lernen

Der Vater oder eine väterliche Bezugsperson ist oft nicht die einzige prägende Person, aber häufig eine besondere Bezugsperson. Während Kinder über alle engen Bezugspersonen Sicherheit, Bindung und Selbstwert lernen, prägt die Vaterbeziehung oft zusätzlich das Bild davon, wie Beziehung außerhalb der engsten emotionalen Versorgung funktioniert: Wie begegne ich Autorität? Wie erlebe ich Anerkennung? Wie sicher fühle ich mich in der Welt?

Gerade weil Väter gesellschaftlich oft eine andere Rolle zugeschrieben bekommen, etwa als Orientierungsperson oder erste männliche Bezugsperson, beeinflusst diese Beziehung häufig auch spätere Erwartungen an Nähe, Grenzen und Verlässlichkeit.

Ein Vater kann Kindern spiegeln:

„Du bist wichtig. Du bist liebenswert. Deine Gefühle zählen. Du darfst dich ausprobieren. Ich traue dir etwas zu. Ich bin da.“

Besonders prägend ist dabei oft die Erfahrung von Bestätigung und Ermutigung: Darf ich Fehler machen? Werde ich ernst genommen? Darf ich mich zeigen, wie ich bin, oder muss ich Leistung bringen, um Anerkennung zu bekommen?

Wenn diese Erfahrung fehlt oder sehr wechselhaft ist, können Kinder andere Botschaften verinnerlichen:

  • „Ich muss kämpfen, um gesehen zu werden.“
  • „Ich darf nicht zu viel brauchen.“
  • „Nähe ist unsicher.“
  • „Ich muss leisten, um Anerkennung zu bekommen.“
  • „Ich darf Gefühle lieber nicht zeigen.“
  • „Menschen, die ich brauche, könnten plötzlich verschwinden.“

Diese inneren Überzeugungen wirken oft bis ins Erwachsenenalter weiter, auch wenn sie uns nicht bewusst sind. Sie zeigen sich dann zum Beispiel in Beziehungen, im Selbstwert oder darin, wie leicht es fällt, Grenzen zu setzen und Vertrauen aufzubauen.

Wenn du selbst bereits Elternteil bist, dann könnte unser Blogbeitrag „Du bist gut, weil du bist: 5 Wege, wie du Kindern (und dir selbst) echte Wertschätzung vermittelst“ etwas für dich sein. Dort bekommst du fünf konkrete Impulse, wie du Kindern echte, bedingungslose Wertschätzung vermitteln kannst – unabhängig von Leistung oder Verhalten.

Emotionale Verfügbarkeit vs. bloße Anwesenheit

Ein Vater kann körperlich anwesend und trotzdem emotional nicht erreichbar sein. Genau deshalb ist nicht nur entscheidend, ob ein Vater da war, sondern wie er da war.

Emotionale Verfügbarkeit bedeutet:

  • zuhören können
  • Gefühle ernst nehmen
  • Trost spenden
  • Grenzen respektieren
  • Interesse zeigen
  • verlässlich bleiben

Fehlt diese emotionale Präsenz, kann ein Kind sich innerlich allein fühlen, auch wenn der Vater jeden Abend am Esstisch sitzt.

Vergleichsgrafik zum Thema Vaterkomplex mit zwei Spalten: „Bloße Anwesenheit“ und „Emotionale Verfügbarkeit“. Gegenübergestellt werden typische Unterschiede einer körperlich anwesenden, aber emotional distanzierten Vaterfigur und eines emotional verfügbaren Vaters. Die Grafik zeigt unter anderem den Unterschied zwischen oberflächlichem Zuhören und echtem Interesse, zwischen Regelsetzung ohne Erklärung und verständnisvoller Grenzsetzung sowie zwischen Einsamkeit und dem Gefühl, gesehen zu werden. Die zentrale Botschaft: Entscheidend ist nicht nur, ob ein Vater da ist, sondern wie er für sein Kind da ist.

Warum Timing in der frühen Kindheit entscheidend ist

Frühe Kindheit ist eine besonders sensible Phase. Wenn eine wichtige Bindungsperson sehr früh fehlt oder emotional nicht erreichbar ist, kann das das Vertrauen in Nähe stark beeinflussen.

Das heißt nicht: Wer ohne Vater aufwächst, ist automatisch belastet. Es bedeutet eher: Frühe Abwesenheit kann ein Risikofaktor sein, besonders wenn gleichzeitig wenig emotionale Stabilität, viel familiärer Stress oder fehlende Unterstützung vorhanden sind. Wichtig zu erwähnen ist hier auch, dass es vor allem um die Rolle geht, die der Vater einnimmt und nicht zwingend den Vater als solchen. 

Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus der Mutter, dem Umfeld, der sozialen Sicherheit, anderen Bezugspersonen und den eigenen Ressourcen.

Auch Geschwisterrollen können unseren Selbstwert und unsere Beziehungen prägen. Mehr dazu findest du im Blogbeitrag „Goldkind oder schwarzes Schaf? Wie Geschwisterrollen unsere Persönlichkeit prägen“.

Typische Muster eines Vaterkomplexes im Erwachsenenleben

Beziehungsmuster: Nähe suchen und gleichzeitig vermeiden

Ein häufiges Muster ist ein innerer Widerspruch: Du wünschst dir Nähe, wählst aber Menschen, die emotional nicht verfügbar sind. Oder du sehnst dich nach Verbindlichkeit, fühlst dich aber eingeengt, sobald sie wirklich entsteht.

Das kann so aussehen:

  • Du verliebst dich besonders stark in distanzierte Menschen.
  • Du klammerst, wenn jemand unzuverlässig ist.
  • Du verlierst Interesse, sobald jemand wirklich verfügbar ist.
  • Du kämpfst um Aufmerksamkeit.
  • Du bleibst zu lange in Beziehungen, die dir nicht guttun.

Oft ist das nicht „freie Wahl“ im einfachen Sinn, sondern ein vertrautes inneres Beziehungsmuster, das auf die väterliche Beziehung zurückzuführen sein könnte.

Selbstwertprobleme und Anerkennungssuche

Wenn väterliche Anerkennung gefehlt hat, kann später eine starke Sehnsucht entstehen, endlich gesehen und bestätigt zu werden. Besonders durch Männer, Autoritätspersonen oder Partner:innen.

Das kann sich zeigen als:

  • starkes Bedürfnis nach Bestätigung
  • Angst, nicht genug zu sein
  • Überanpassung
  • Idealisierung von Partnern
  • Abhängigkeit von äußerer Anerkennung

Viele tragen dann unbewusst die Frage in sich: „Bin ich auch ohne Leistung wertvoll und liebenswert?”

Schwierigkeiten mit Autorität, Grenzen und Vertrauen

Eine belastete Vaterbeziehung kann auch beeinflussen, wie wir mit Autorität umgehen. Manche Menschen reagieren stark auf Kritik, fühlen sich schnell klein oder versuchen, es allen recht zu machen. Andere gehen sofort in den Widerstand, sobald sie sich kontrolliert fühlen.

Auch Grenzen können betroffen sein: Wer früh gelernt hat, dass eigene Bedürfnisse nicht zählen, hat später oft Mühe, Nein zu sagen oder ungesunde Dynamiken zu verlassen.

Vaterkomplex bei Frauen vs. Männern

Ein kurzer Hinweis vorab: Es gibt keine biologisch festgelegten Unterschiede, sondern lediglich typische Muster durch Erziehung, Rollenbilder und Beziehungserfahrungen. Viele Menschen passen auch überhaupt nicht in diese Aufteilung oder zeigen beides gleichzeitig.

Vater-Tochter-Dynamik: Bindung, Anerkennung und Partnerwahl

Für viele Töchter ist der Vater die erste wichtige männliche Bezugsperson. Über ihn kann sich ein frühes Bild davon entwickeln, wie Männer lieben, schützen, anerkennen oder sich entziehen.

Wenn der Vater zuverlässig und emotional präsent war, kann Nähe später eher als sicher erlebt werden. Wenn er abwesend, kritisch oder unberechenbar war, kann Nähe mit Unsicherheit verbunden sein.

Dann kann es gut sein, dass emotional nicht verfügbare Männer besonders anziehend wirken, nicht weil sie gut tun, sondern weil die Dynamik vertraut ist.

Vater-Sohn-Dynamik: Identität, Emotionen und Leistungsdruck

Auch Söhne werden tief durch ihre Vaterbeziehung geprägt. Nur wird darüber seltener gesprochen.

Väter vermitteln oft bewusst oder unbewusst Vorstellungen davon, was „männlich“ sein bedeutet: stark sein, funktionieren, keine Schwäche zeigen, erfolgreich sein, unabhängig bleiben. Wenn ein Vater emotional distanziert, hart oder sehr kritisch war, können Söhne lernen, Gefühle zu unterdrücken oder Anerkennung über Leistung zu suchen.

Mögliche Folgen können sein:

  • emotionale Verschlossenheit
  • Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen
  • hoher Leistungsdruck
  • Suchtverhalten als Emotionsregulation
  • Distanz in Partnerschaften
  • starke Wut oder Scham gegenüber dem Vater

Warum Männer ihren Vaterkomplex oft anders zeigen

Frauen werden bei Beziehungsmustern schneller mit „Daddy Issues“ etikettiert. Bei Männern erscheinen ähnliche Wunden oft unter anderen Begriffen: Bindungsangst, Aggression, Sucht, Workaholic, Gefühlskälte oder Leistungsdruck.

Das macht sie nicht weniger tief, aber es macht sie weniger sichtbar.

Gerade deshalb ist es wichtig, den Vaterkomplex nicht geschlechtlich festzulegen. Frühe Bindungserfahrungen wirken bei allen Menschen, nur manchmal in unterschiedlichen Ausdrucksformen.

Zum Thema Mutterkomplex, insbesondere bei Männern, haben wir bereits einen Artikel geschrieben. Im Blogbeitrag „Mutterkomplex bei Männern: Wenn Loslassen zur Befreiung wird“ erfährst du, wie er entsteht, welche Auswirkungen ein ungelöster Mutterkomplex auf Partnerschaften hat und wie man sich als Mann innerlich davon losmachen kann.

Vaterabwesenheit – was sagt die Forschung wirklich?

Auswirkungen auf psychische Gesundheit

Studien zeigen, dass Vaterabwesenheit in der Kindheit mit einem erhöhten Risiko für depressive Symptome, emotionalen Stress oder Unsicherheit verbunden sein kann. Besonders relevant scheint zu sein, wann der Vater abwesend wurde und wie stabil das übrige Umfeld war.

Wichtig ist: Das ist kein unabänderliches Schicksal. Eine schwierige Vaterbeziehung erhöht Risiken, legt aber nicht fest, wie ein Leben oder eine Beziehung verlaufen muss.

Einfluss auf Beziehungen und emotionale Entwicklung

Eine emotional fehlende oder unzuverlässige Vaterfigur kann beeinflussen, wie Menschen später Nähe erleben. Manche suchen intensive Nähe und haben große Verlustangst. Andere schützen sich durch Rückzug, Kontrolle oder emotionale Distanz.

Auch der Umgang mit Gefühlen kann geprägt sein: Wenn Trauer, Wut oder Angst in der Familie keinen Raum hatten, kann es später schwerfallen, diese Gefühle zu erkennen, zu regulieren oder mitzuteilen.

Warum Umfeld und Ressourcen entscheidender sind als „nur der Vater“

Die Forschung zeigt aber auch: Nicht allein der Vater entscheidet. Andere Bezugspersonen, stabile Freundschaften, therapeutische Unterstützung, soziale Sicherheit und eigene Ressourcen können sehr viel auffangen.

Ein liebevoller Großvater, eine präsente Mutter, eine verlässliche Lehrerin oder später eine sichere Partnerschaft können korrigierende Erfahrungen ermöglichen.

Es geht also nicht darum, den Vater zur alleinigen Ursache zu machen. Es geht darum, einen wichtigen Einflussfaktor zu verstehen.

Praktische Anwendung – Wie du deinen Vaterkomplex erkennst und veränderst

Woran erkenne ich meine Muster?

Du kannst deine Muster daran erkennen, dass sie sich wiederholen. Nicht einmal, sondern immer wieder, oft mit verschiedenen Menschen.

Typische Muster:

  • Du idealisierst distanzierte Menschen.
  • Du hast starke Angst, verlassen zu werden.
  • Du fühlst dich schnell abhängig.
  • Du kannst schwer Grenzen setzen.
  • Du ziehst dich zurück, sobald es emotional nah wird.
  • Du reagierst stark auf Kritik oder Autorität.
  • Du suchst Anerkennung von Menschen, die sie dir kaum geben.

Diese Muster haben ihren Ursprung häufig in der Kindheit. Das bedeutet nicht, dass diese nur aus der Beziehung mit der Vaterfigur entstanden sein müssen, sondern generell aus deinen bisherigen, ganz individuellen Bindungserfahrungen.

Frage dich also: „Habe ich wiederkehrende Muster in meinen heutigen Beziehungen? Und wenn ja, welche Bindungserfahrungen oder Personen aus meiner Kindheit könnten diese beeinflusst haben?”

Welche Fragen helfen bei der Selbstreflexion?

Nimm dir Zeit für diese Fragen:

  • Wie war mein Vater emotional erreichbar?
  • Was habe ich als Kind von ihm gebraucht, aber nicht bekommen?
  • Hat mir jemand anderes die Bedürfnisse erfüllt, die mein Vater mir nicht geben konnte?
  • Welche Gefühle durfte ich ihm gegenüber zeigen?
  • Welche Sätze über mich habe ich durch diese Beziehung gelernt?
  • Welche Beziehungsmuster wiederholen sich heute?
  • Gibt es etwas, das sich in Beziehungen vertraut anfühlt, obwohl es mir nicht guttut?

Wie entstehen neue Beziehungserfahrungen?

Neue Muster entstehen nicht nur durch Einsicht. Sie entstehen durch neue Erfahrungen.

Das kann bedeuten:

  • dich bewusst für emotional verfügbare Menschen zu öffnen
  • Grenzen früher auszusprechen
  • Verlässlichkeit nicht mit Langeweile zu verwechseln
  • dir Unterstützung zu holen
  • deine Bedürfnisse ernst zu nehmen
  • langsam zu lernen, sichere Nähe auszuhalten

Erste Schritte – So entwickelst du gesunde Beziehungsmuster

Reflexion: Deine Vaterbeziehung verstehen

Schreibe drei Sätze auf:

  • „Von meinem Vater habe ich über Liebe gelernt, dass…”
  • „Von meinem Vater habe ich über mich gelernt, dass…”
  • „Heute möchte ich über Beziehung neu lernen, dass…”

Diese Sätze können schmerzhaft sein, aber sie bringen dir Klarheit.

Mini-Übung: Deine Beziehungswünsche klären

Notiere dir:

  • Wie möchte ich mich in einer Beziehung fühlen?
  • Welche Verhaltensweisen geben mir Sicherheit?
  • Welche Dynamiken möchte ich nicht mehr wiederholen?
  • Welche roten Flaggen übergehe ich bisher zu schnell?

Muster-Check: Woran erkenne ich emotionale Verfügbarkeit?

Emotionale Verfügbarkeit erkennst du weniger an großen Worten als an Verhalten:

  • Die Person ist verlässlich.
  • Sie kann über Gefühle sprechen.
  • Sie respektiert Grenzen.
  • Sie ist nicht nur intensiv, sondern konstant.
  • Sie übernimmt Verantwortung.
  • Sie bleibt im Kontakt, auch wenn es schwierig wird.

llustration zum Thema Vaterkomplex und emotionale Verfügbarkeit. In der Mitte hält ein Vater sein Kind liebevoll im Arm. Rundherum zeigen sechs Symbole wichtige Merkmale emotionaler Verfügbarkeit: aufmerksam zuhören, verlässlich sein, Gefühle ernst nehmen, Sicherheit vermitteln, ermutigen statt bewerten und Grenzen respektieren. Die Grafik verdeutlicht, woran Kinder eine emotional präsente und unterstützende Vaterfigur erkennen.

Podcastfolge: Vaterkomplex und seine Auswirkungen auf Beziehungen

In der passenden Podcastfolge von So bin ich eben! „Daddy Issues: Wie dein Vater deine Beziehungen prägt“ sprechen Stefanie Stahl und Lukas Klaschinski darüber, was hinter dem Begriff „Daddy Issues“ steckt und warum er psychologisch oft mehr verschleiert als erklärt.

Sie ordnen ein, wie Vaterabwesenheit, emotionale Distanz und Bindungsmuster unser Erwachsenenleben prägen können. Außerdem geht es darum, warum sowohl Frauen als auch Männer von Vaterkomplexen betroffen sein können und wie Veränderung möglich wird.

Fazit

Ein Vaterkomplex ist kein Schicksal. Er ist ein Hinweis auf Beziehungsmuster, die früher entstanden sind und heute weiterwirken.

Frühe Erfahrungen mit dem Vater können Selbstwert, Bindung und Partnerwahl beeinflussen. Aber sie bestimmen nicht dein ganzes Leben. Entscheidend ist, dass du beginnst, deine Muster zu erkennen, dich nicht dafür zu verurteilen und neue Beziehungserfahrungen zuzulassen.

Du kannst die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Aber du kannst lernen, heute anders mit dir, deinen Bedürfnissen und deinen Beziehungen umzugehen.

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Zusammengefasst

Was ist ein Vaterkomplex?

Ein Vaterkomplex beschreibt mögliche Auswirkungen früher Erfahrungen mit dem Vater oder einer väterlichen Bezugsperson auf Selbstwert, Bindung und Beziehungen im Erwachsenenalter. Es handelt sich nicht um eine klinische Diagnose, sondern um einen populärpsychologischen Begriff (d.h. aus der Laien- oder Alltagspsychologie).

Wie erkenne ich einen Vaterkomplex?

Typisch können wiederkehrende Beziehungsmuster, Unsicherheit bei Nähe, starke Suche nach Anerkennung, Angst vor dem Verlassenwerden oder Probleme mit Vertrauen und dem Setzen von Grenzen sein. Auch emotionale Distanz oder Leistungsdruck können Hinweise sein. Aber: Diese Muster können viele Ursachen haben. Nicht jede schwierige Vaterbeziehung führt automatisch zu diesen Themen und umgekehrt haben nicht alle Menschen mit diesen Mustern einen sogenannten „Vaterkomplex“.

Betrifft ein Vaterkomplex nur Frauen?

Nein. Auch Männer und nicht-binäre Menschen können durch schwierige Vaterbeziehungen geprägt sein. Bei Männern zeigen sich Vaterwunden häufig über emotionale Verschlossenheit, Leistungsdruck, Suchtverhalten oder Bindungsangst.

Kann man einen Vaterkomplex überwinden?

Kurz gesagt: Ja. Alte Muster können durch Selbstreflexion, neue Beziehungserfahrungen und therapeutische Begleitung verändert werden. Wichtig ist, die eigenen Schutzstrategien zu verstehen, statt sich dafür zu verurteilen.

Warum suche ich mir immer ähnliche Partner aus?

Weil dein Bindungssystem vertraute Dynamiken bevorzugt, auch wenn sie dir nicht immer guttun. Was früher bekannt war, kann sich später wie Anziehung oder „Chemie“ anfühlen.

Welche Rolle spielt der Vater wirklich?

Entscheidend ist nicht nur, ob der Vater anwesend war, sondern ob er emotional verfügbar, verlässlich und respektvoll war. Auch andere Bezugspersonen und spätere Erfahrungen können die Entwicklung in jungen Jahren stark beeinflussen.

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