Ja, Spielen tut unserer Psyche gut. Es kann Stress reduzieren, soziale Nähe fördern, unser Gehirn fordern und uns dabei helfen, mental abzuschalten. Und zwar nicht nur als Kind, sondern bis ins Erwachsenenalter.
Wann hast du das letzte Mal wirklich gespielt? Nicht „nebenbei aufs Handy geschaut“. Nicht durch Social Media gescrollt. Sondern wirklich gespielt, mit Neugier, Konzentration oder diesem Gefühl, für einen Moment alles um dich herum zu vergessen?
Viele Erwachsene würden vermutlich sagen: „Ich spiele eigentlich gar nicht mehr.“ Und erzählen zwei Minuten später begeistert von einer Runde Mario Kart mit den Kindern, einem Escape Room mit Freunden, Sudoku am Abend oder davon, wie beruhigend das Einsammeln von ein paar digitalen Erdbeeren bei einer Runde Candy Crush nach einem langen Arbeitstag sein kann.
Warum Spielen psychologisch so wertvoll sein kann und warum wir Erwachsenen es trotzdem zunehmend aus unserem Alltag verbannen, schauen wir uns genauer an.
In verschiedenen Online-Lektionen, durch die Stefanie Stahl dich führt, wirst du mehr über dich herausfinden und dein Selbstwertgefühl stärken können.
Spielen wirkt auf den ersten Blick oft völlig sinnlos. Menschen werfen Karten auf einen Tisch, jagen einem Ball hinterher oder schieben digitale Bonbons über ein Display — und haben dabei auch noch Spaß.
Psychologisch betrachtet passiert dabei allerdings erstaunlich viel. Spielen wird in der Psychologie meist als freiwillige, intrinsisch motivierte Tätigkeit beschrieben, die vor allem aus Freude, Neugier oder Entspannung heraus ausgeführt wird. Genau deshalb erfüllt Spielen oft wichtige psychologische Bedürfnisse.
Der Psychologe Edward Deci und sein Kollege Richard Ryan konnten in ihrer Forschung zeigen: Menschen fühlen sich psychisch immer dann besonders wohl, wenn drei grundlegende Bedürfnisse erfüllt werden:
Und genau diese Bedürfnisse sprechen viele Spiele erstaunlich gut an.
Ein Spiel gibt uns das Gefühl, selbst entscheiden zu können, Herausforderungen zu bewältigen und gemeinsam mit anderen etwas zu erleben. Das erklärt auch, warum sich Spielen oft so befreiend anfühlt.
Aus ihrer langjährigen Praxiserfahrung weiß die Psychologin Stefanie Stahl, wie wichtig solche Momente sein können, in denen Leistung und Funktionieren einmal in den Hintergrund treten. Spielen kann genau dafür einen Raum schaffen: Wir dürfen ausprobieren, scheitern, lachen und einfach etwas tun, ohne dass dabei etwas Produktives herauskommen muss.
Viele Menschen kennen dieses Gefühl: Der Arbeitstag war anstrengend, der Kopf ist voll — und trotzdem fühlt man sich nach einer Stunde Scrollen auf der Couch nicht wirklich erholt.
Das liegt unter anderem daran, dass unser Gehirn dabei oft in einem Zustand permanenter Reizaufnahme bleibt. Wirkliche mentale Erholung entsteht häufig erst dann, wenn unsere Aufmerksamkeit für einen Moment komplett woanders ist.
Und genau hier kann Spielen helfen. Psycholog:innen sprechen dabei von sogenannter „psychologischer Distanz“ oder „Detachment“. Gemeint ist damit die Fähigkeit, gedanklich Abstand vom Alltag, von Problemen oder Grübeln zu gewinnen.
Beim Spielen passiert genau das oft ganz automatisch: Das Gehirn konzentriert sich auf Regeln, kleine Ziele oder eine konkrete Aufgabe — und Alltagssorgen machen mal kurz Pause.
Der weltbekannte Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi beschrieb diesen Zustand als „Flow“. Flow entsteht häufig dann, wenn eine Aufgabe klare Regeln hat, wir direktes Feedback bekommen und die Herausforderung weder zu leicht noch zu schwer ist.
Wenn diese drei Aspekte zusammentreffen, dann sind wir einem Glückszustand ziemlich nahe: Wir verlieren für kurze Zeit das Gefühl für Zeit, Selbstbeobachtung und Alltagsstress.
Viele Spiele erzeugen genau diesen Zustand. Ganz gleich, ob du mit deinen Freunden Poker oder mit deinem Papa Schach spielst, zum Tischtennis oder Fußball gehst, mit deinem Kind plötzlich Blinde Kuh oder Räuber und Gendarm spielst oder auch eine Runde FIFA an der Playstation zockst.
Das erklärt auch, warum sich manche Menschen nach 20 Minuten Spielen mental erholter fühlen als nach einer Stunde passivem Konsumieren.
Aus Sicht der Entwicklungspsychologie ist Spielen ein Trainingsraum fürs Gehirn.
Forschende wie Jean Piaget oder Lew Wygotski beschrieben schon früh, dass Kinder beim Spielen wichtige Fähigkeiten entwickeln:
Wenn Kinder Rollenspiele spielen, trainieren sie Empathie. Wenn sie Fangen spielen, lernen sie Impulskontrolle und schnelle Entscheidungen. Wenn sie Regeln aushandeln, entwickeln sie soziale Fähigkeiten.
Das Spannende: Viele dieser psychologischen Mechanismen verschwinden im Erwachsenenalter nicht einfach. Auch Erwachsene profitieren davon, wenn sie: kreativ denken, gemeinsam lachen, Herausforderungen lösen, in Rollen schlüpfen und Neues ausprobieren.
Auch der Psychiater und Spielforscher Stuart Brown beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Bedeutung des Spielens über die Kindheit hinaus. Ein wichtiger Gedanke seiner Arbeit: Was wir als spielerisch erleben, ist individuell verschieden. Für den einen ist es ein Brettspiel, für die andere Tanzen, Fußball, Rätseln oder Herumalbern mit Freunden. Entscheidend ist weniger die konkrete Tätigkeit als das spielerische Erleben dabei.
Vielleicht verlieren Erwachsene also nicht die Fähigkeit zu spielen, sondern eher die Erlaubnis dazu.
Wenn wir gestresst sind, versuchen viele Menschen vor allem eines: nichts zu tun. Doch Stress verschwindet nicht automatisch durch völlige Passivität. Manchmal kann es sogar hilfreicher sein, unserem Kopf eine Aufgabe zu geben, die unsere Aufmerksamkeit bindet, ohne uns zusätzlich zu überfordern.
Genau hier kann Spielen helfen. Statt weiter über den Arbeitstag, die To-do-Liste oder ein Problem nachzudenken, richtet sich unsere Aufmerksamkeit plötzlich auf etwas ganz Konkretes: die nächste Zahl im Sudoku, das fehlende Puzzleteil oder den nächsten Spielzug.
Viele Menschen empfinden deshalb einfache, überschaubare Spiele als beruhigend, zum Beispiel:
Solche Beschäftigungen geben uns klare Ziele, kleine Erfolgserlebnisse, Fokus und Struktur. Vor allem aber können sie dabei helfen, Grübeln und Dauerstress für einen Moment zu unterbrechen und gedanklich Abstand vom Alltag zu gewinnen.
Wenn Stress deinen Alltag häufiger bestimmt, lohnt es sich, tiefer anzusetzen: In Stefanie Stahls Online-Kurs zur Stressbewältigung lernst du, Stress besser zu verstehen und gelassener mit Belastungen umzugehen.
Einsamkeit bedeutet nicht immer, allein zu sein. Häufig fehlt eher das Gefühl echter Verbundenheit. Und genau hier können Spiele überraschend stark wirken. Denn Spiele schaffen gemeinsame Aufmerksamkeit: Menschen schauen gemeinsam auf ein Spielbrett, lösen Aufgaben oder erleben gemeinsam etwas. Dadurch entsteht Nähe oft ganz nebenbei.
Besonders hilfreich sind hier:
Psychologisch interessant ist dabei: Menschen müssen nicht sofort tiefe Gespräche führen. Verbindung entsteht häufig bereits durch gemeinsames Erleben.
Viele Menschen verbringen ihren Alltag fast ausschließlich vor Bildschirmen — sitzend, konzentriert und mental angespannt. Dann entsteht oft das Gefühl:
„Ich bin komplett erschöpft.“ Doch häufig ist nicht der Körper müde, sondern das Gehirn überlastet, der Körper aber nur einseitig belastet. Dafür wurden wir Menschen einfach nicht geschaffen.
In solchen Situationen helfen vielen Menschen eher:
Denn Bewegung unterbricht die dauerhafte mentale Belastung und hilft dem Nervensystem, wieder stärker im Körper anzukommen.
Manchmal braucht ein müder Kopf eben keinen weiteren Bildschirm — sondern Bewegung.
Spielen muss nicht analog sein. Auch Videospiele können viele dieser Funktionen erfüllen, etwa uns fordern, in einen Flow-Zustand bringen oder gemeinsame Erlebnisse schaffen. Entscheidend ist weniger, ob wir am Spielbrett oder vor dem Bildschirm sitzen, sondern wie wir spielen und welche Funktion das Spielen für uns erfüllt.
Problematisch kann es werden, wenn vor allem Videospiele zunehmend Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte oder andere wichtige Lebensbereiche verdrängen oder zur einzigen Strategie werden, um Stress und unangenehmen Gefühlen zu entkommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht bei einem anhaltenden Kontrollverlust und deutlichen Beeinträchtigungen im Alltag von einer „Gaming Disorder“. Entscheidend ist also nicht nur, was wir spielen, sondern auch wie viel und welche Rolle das Spielen in unserem Leben einnimmt.
Viele Erwachsene erleben irgendwann einen Alltag, der fast nur noch aus Funktionieren besteht:
Arbeit, Verpflichtungen, Termine, Organisation.
Spielen wirkt dann schnell „unproduktiv“.
Dabei vergessen viele Menschen etwas Wichtiges:
Unser Gehirn braucht nicht nur Leistung. Es braucht auch Leichtigkeit, Neugier und Erholung.
Und genau deshalb kann Spielen psychologisch so wertvoll sein.
Nicht weil wir dadurch „effizienter“ werden.
Sondern weil Spielen uns oft wieder mit Dingen verbindet, die im Alltag verloren gehen:
Manchmal braucht es gar nicht das perfekte Spiel. Stefanie Stahl empfiehlt, zuerst bei sich selbst einzuchecken: Brauche ich gerade Ruhe, Bewegung, Verbindung oder einfach etwas, das meinen Kopf beschäftigt?
Spielen ist weit mehr als bloßer Zeitvertreib. Es kann uns helfen, Stress und Grübeln für einen Moment hinter uns zu lassen, ganz in einer Sache aufzugehen, gemeinsam zu lachen und uns mit anderen verbunden zu fühlen. Manchmal fordert es unseren Kopf, manchmal bringt es uns in Bewegung und manchmal macht es einfach nur Spaß.
Gerade das kommt im Erwachsenenleben schnell zu kurz. Zwischen Arbeit, Terminen und Verpflichtungen darf es auch Momente geben, die nirgendwo hinführen müssen und trotzdem wertvoll sind. Ein Abend mit einem Brettspiel, eine Runde Tischtennis oder zehn Minuten völlig versunken in einem Rätsel können manchmal genau das sein, was einem langen Tag gefehlt hat und dir ein Gefühl von Erfüllung oder einfach eine gute Zeit zurück gibt.
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Spielen kann wichtige psychologische Bedürfnisse erfüllen, etwa soziale Verbundenheit, Selbstbestimmung oder das Gefühl, etwas zu können und Herausforderungen zu bewältigen. Gleichzeitig bindet es unsere Aufmerksamkeit und kann dabei helfen, gedanklich Abstand von Arbeit, Problemen oder Grübeln zu gewinnen. Gemeinsames Spielen schafft außerdem positive Erlebnisse mit anderen und kann das Gefühl von Nähe und Verbundenheit stärken.
Viele Menschen empfinden strukturierte, überschaubare Spiele als entspannend, etwa Puzzle-Spiele, Sudoku, kreative Spiele oder leichte Mobile Games. Sie geben der Aufmerksamkeit ein konkretes Ziel und können dadurch helfen, Gedankenkreisen für eine Weile zu unterbrechen. Welches Spiel guttut, ist allerdings individuell: Entscheidend ist, dass es fordert, ohne zusätzlichen Leistungsdruck oder Überforderung zu erzeugen.
Nicht automatisch. Videospiele können unter anderem Herausforderung, Flow und gemeinsame Erlebnisse ermöglichen. Problematisch kann Gaming werden, wenn es zunehmend Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte oder andere wichtige Lebensbereiche verdrängt. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Spielzeit, sondern auch, welche Rolle Gaming im eigenen Alltag einnimmt.
Viele Erwachsene verbinden Spielen mit Kindheit oder empfinden es als unproduktiv. Gleichzeitig bleibt zwischen Arbeit, Haushalt, Terminen und anderen Verpflichtungen oft weniger Raum für Spontaneität und zweckfreie Beschäftigungen. Dabei können gerade solche Momente eine wertvolle Abwechslung zu einem Alltag sein, der stark von Leistung und Funktionieren geprägt ist.
Flow beschreibt einen Zustand völliger Vertiefung in eine Tätigkeit. Er kann entstehen, wenn ein Ziel klar ist, wir direktes Feedback erhalten und eine Aufgabe herausfordernd ist, ohne uns zu überfordern. Im Flow ist die Aufmerksamkeit stark auf das aktuelle Tun gerichtet, während Zeitgefühl und Selbstbeobachtung vorübergehend in den Hintergrund treten. Viele Spiele schaffen besonders gute Bedingungen für genau dieses Erleben.
Dieser Blogartikel wurde von Stefanie Stahl inhaltlich geprüft.
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