Gefühle

Kontrolle in Beziehungen: Wie du loslässt und Vertrauen lernst

“Ich kann nicht mehr”, dieser Satz beschreibt ein Gefühl tiefer Erschöpfung – oft verursacht durch das ständige Bedürfnis, alles im Griff zu haben. Kontrolle wirkt wie ein Schutzschild gegen Ängste und Unsicherheiten. Doch genau dieser Schutz verhindert oft, dass echte Nähe entstehen kann. 

In diesem Beitrag erfährst du:

  • Was wirklich hinter deinem Kontrollverhalten steckt.
  • Warum Kontrolle in Beziehungen oft mehr schadet als schützt.
  • Wie dein inneres Kind dabei mitwirkt.
  • Wie du Vertrauen entwickelst und Kontrolle loslässt.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Kontrolle eigentlich?

Kontrolle bedeutet, den Ausgang einer Situation vorhersehen oder beeinflussen zu wollen – aus dem Wunsch heraus, sich sicher zu fühlen. In Beziehungen zeigt sich das z.B. durch häufiges Nachfragen, Planungsdrang oder starke Eifersucht. So ist Kontrolle in Beziehungen oft ein Versuch, emotionale Unsicherheit zu vermeiden – meist unbewusst. 

Der Ursprung von Kontrolle: Kontrollverhalten als Selbstschutz

Kontrollverhalten entsteht häufig aus frühen Erfahrungen, in denen wir lernen mussten, dass Bindung unsicher oder unzuverlässig ist. Wenn du in deiner Kindheit emotionale Instabilität, Zurückweisung oder Vernachlässigung erlebt hast, verknüpft dein System Nähe mit Gefahr und Kontrolle wird zur vermeintlichen Rettung – das sagt auch die Entwicklungspsychologie.

Tabelle mit Beispielen für Kontrollverhalten

Typische Auslöser für Kontrollverhalten:

  • Verlustangst
  • Unsichere Bindungserfahrungen
  • Gefühl von Ohnmacht oder Hilflosigkeit

Refelexionsfragen: 

  • Wann hast du das Gefühl, besonders viel Kontrolle zu brauchen?
  • In welchen Situationen fühlst du dich sonst überfordert oder hilflos ausgeliefert?

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Wie Kontrolle Nähe sabotiert

Wenn du kontrollierst, willst du Nähe herstellen, aber oft bewirkst du das Gegenteil. Kontrolle signalisiert deinem Gegenüber Misstrauen, was zu Distanz führt. Es entsteht ein Teufelskreis: Je mehr du klammerst, desto mehr entfernt sich dein Gegenüber und desto stärker wird dein Kontrollimpuls.

Beispielhafte Dynamik:

Kreislauf von Angst, Kontrolle und Rückzug

Die Angst hinter der Kontrolle: Verlust- und Bindungsangst verstehen 

Kontrolle in Beziehungen ist selten ein Zeichen von Stärke, sondern fast immer ein Ausdruck von Angst. Besonders zwei Formen sind dabei entscheidend: Verlustangst und Bindungsangst. Beide können zu einem starken Bedürfnis nach Kontrolle führen, allerdings aus unterschiedlichen Gründen mit gegensätzlichen Wirkungen. 

Verlustangst: Kontrolle aus Angst, verlassen zu werden

Verlustangst beschreibt die tiefe, oft unbewusste Angst, eine geliebte Person  zu verlieren. Sie entsteht häufig aus früheren Erfahrungen, in denen Bindungen plötzlich oder schmerzhaft geendet haben oder Zuwendung an Bedingungen geknüpft war. Betroffene suchen emotionale Sicherheit oft durch Kontrolle: häufige Nachrichten-Checks, Überinterpretation von Pausen, starke Eifersucht oder Misstrauen. Doch dieser Versuch, sich zu vergewissern, kann genau das Gegenteil bewirken – der andere fühlt sich eingeengt und zieht sich zurück. 

Bindungsangst: Kontrolle, um Nähe zu vermeiden

Bindungsangst ist das Gegenstück der Verlustangst: Hier entsteht Kontrolle nicht aus dem Wunsch nach Verbindung, sondern aus dem Bedürfnis nach emotionalem Abstand. Nähe wird als überfordernd erlebt und deshalb unterbewusst sabotiert. Typische Reaktionen sind Rückzug, ständiges Kritisieren oder das Vermeiden tiefer Gespräche. Auch das ist ein Kontrollmuster – allerdings, um sich nicht zeigen zu müssen.

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Kontrolle loslassen: 5 Impulse für mehr Vertrauen 

Vertrauen bedeutet, Kontrolle loszulassen und am besten funktioniert das in kleinen Schritten:

  1. Beginne klein: Gib bewusst kleine Entscheidungen ab, z.B. die Wahl des Restaurants für’s Abendessen.
  2. Unsicherheiten aushalten: Atme durch, wenn dein:e Partner:in sich verspätet, ohne sofort nachzugeben. 
  3. Alte Glaubenssätze erkennen: Frage dich – Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn ich Kontrolle abgebe?
  4. Sprich über deine Ängste: Bespreche, was dich bewegt, statt Verhalten zu kontrollieren. 
  5. Vertraue auf deine Resilienz: Sage dir – “Ich bin heute erwachsen und kann mit Ungewissheit umgehen”. 

Vertrauen zu lernen, ist kein schneller Prozess. Er braucht Geduld, Selbstmitgefühl mit dir selbst und die Bereitschaft, dich emotional zu öffnen und Verletzlichkeit zuzulassen.

Illustration in fünf Schritten zu weniger Kontrolle: Loslassen, Geduld, Achtsamkeit, Kommunikation und Reflexion.

Reflexion: Welchen kleinen Schritt kannst du heute machen, um Kontrolle loszulassen und Vertrauen zu üben? Wer könnte dich dabei unterstützen?

Fazit: Kontrolle loslassen ist ein Weg in Richtung Verbindung

Kontrolle ist keine Schwäche, sie war mal ein Rettungsanker. Wenn du beginnst, Vertrauen zuzulassen, stärkst du nicht nur deine Beziehungen, sondern auch die Verbindung zu dir selbst. Das braucht Zeit, Geduld und vor allem Mitgefühl mit dir selbst.

Es ist völlig okay, wenn dir das nicht sofort gelingt. Kontrolle loslassen ist ein Prozess. Fang klein an, bleib dran, und erinnere dich immer wieder daran: Du darfst sicher sein, ohne alles im Griff zu haben.

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Weitere Impulse für deinen Weg:

Zusammengefasst

Warum fällt es mir so schwer, Kontrolle abzugeben?

Weil dein Nervensystem gelernt hat, dass Kontrolle, Sicherheit gibt. Doch du bist heute kein hilfloses Kind mehr, du darfst neue Erfahrungen machen.

Wie erkenne ich, ob ich kontrolliere?

Typische Anzeichen: Du planst, prüfst oder grübelst, was der andere tut oder du fühlst dich unwohl, wenn du nicht “alles im Griff” hast.

Was hilft mir, Kontrolle zu reduzieren?

Bewusste Reflexion, “Innere Kind”-Arbeit, ehrliche Gespräche und kleine Schritte in Richtung Vertrauen – ohne Druck, aber mit Klarheit.

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