Kinder stärken

Du bist gut, weil du bist: 5 Wege, wie du Kindern (und dir selbst) echte Wertschätzung vermittelst

1. Sag nicht nur “gut gemacht” sondern: “Ich sehe dich”

Klar, Lob fühlt sich gut an. Aber oft bezieht es sich nur auf das, was ein Kind tut, nicht darauf, wer es ist. Wenn du sagst: “Toll, wie du dein Zimmer aufgeräumt hast!” oder “Super gemacht, wie du deine Hausaufgaben erledigt hast!”, verstärkst du die Idee: “Ich bin nur gut, wenn ich etwas richtig mache”.

Versuche stattdessen Aussagen, die das Sein betonen, nicht das Tun:

  • “Ich freu mich, dass du da bist.”
  • “Es ist schön, Zeit mit dir zu verbringen.”
  • “Ich sehe, dass du traurig bist und ich bin bei dir.”

Solche Botschaften vermitteln: “Du bist mir wichtig, egal, wie du dich gerade verhältst”.

2. Bleib in Verbindung – auch bei schwierigen Gefühlen

Wut, Trotz, Rückzug: Das sind Momente, in denen viele Erwachsene automatisch versuchen, zu korrigieren oder zu regulieren. Doch genau hier braucht ein Kind deine Annahme am meisten.

Statt zu sagen: “Jetzt beruhig dich mal!” Sage lieber: “Ich merke, du bist gerade richtig wütend. Ich bleib bei dir.”

Damit vermittelst du: “Deine Gefühle sind okay. Du bist okay”. Das gibt Kindern emotionale Sicherheit und hilft auch deinem inneren Kind, zu spüren: “Ich bin nicht allein”.

3. Wertschätzung braucht keine Bewertung

Achte mal auf deine Sprache. Viele Sätze klingen freundlich, enthalten aber eine versteckte Bewertung: “Du bist so brav!” oder “Du bist ein tolles Mädchen!” – das klingt gut, ist aber an Bedingungen geknüpft.

Formuliere lieber beschreibend und nicht bewertend:

  • Statt: “Du bist fleißig.” →  “Ich hab gesehen, wie konzentriert du gearbeitet hast.”
  • Statt: “Du bist toll!” →  “Ich bin gern mit dir zusammen.”

So lernt ein Kind: “Ich bin wertvoll – nicht, weil ich etwas Bestimmtes tue, sondern einfach, weil ich da bin”.

4. Fang bei dir selbst an: Heile dein inneres Kind

Vielleicht hast du selbst nie bedingungslose  Wertschätzung erfahren. Vielleicht spürst du heute noch den inneren Druck, etwas leisten oder gefallen zu müssen, um dich wertvoll zu fühlen. Die gute Nachricht: Du kannst das verändern, indem du dich deinem inneren Kind zuwendest.

Frag dich:

  • Wie spreche ich innerlich mit mir, wenn ich Fehler mache?
  • Darf ich auch dann geliebt sein, wenn ich nicht “funktioniere”?

Tipp: Im Online-Kurs “Kinder stärken – Selbstwert födern“ lernst du nicht nur, wie du Kinder emotional stärkst – du bekommst auch Werkzeuge, um dein eigenes inneres Kind liebevoll zu begleiten und alte Glaubenssätze aufzulösen.

5. Schaffe Sicherheit statt Druck

Kinder brauchen kein ständiges Lob und keine perfekte Erziehung. Was sie brauchen, bist du – präsent, ehrlich, verlässlich.

Schenke ihnen das Gefühl:

  • “Ich bin willkommen – so wie ich bin”.
  • “Ich darf Fehler machen und werde trotzdem gehalten”.
  • “Ich bin nicht allein mit meinen Gefühlen”.

Das ist der Boden, auf dem ein gesunder Selbstwert wächst – und das stärkste Geschenk, das du weitergeben kannst.

Fazit: Du darfst anfangen – mit dir.

Vielleicht hast du beim Lesen gespürt, wie sehr dir diese Botschaft als Kind gefehlt hat: “Du bist gut, einfach weil du bist.” Nicht, weil du brav warst oder funktioniert hast.

Viele von uns tragen bis heute den Wunsch nach echter Annahme in sich – und geben unbewusst weiter, was sie selbst erlebt haben: dass Liebe an Bedingungen geknüpft ist.

Aber du kannst den Kreislauf durchbrechen. Du kannst Kindern das geben, was du vielleicht nie bekommen hast: tiefe, bedingungslose Wertschätzung. Und du kannst lernen, deinem eigenen inneren Kind das Gleiche zu schenken. Diese Haltung verändert viel – in deiner Familie, in deinem Beruf und in dir selbst.

Der Online-Kurs “Kinder stärken – Selbstwert fördern“ in der Stefanie Stahl Akademie unterstützt dich dabei mit psychologischem Wissen, praktischen Übungen und liebevollen Impulsen.

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“Was kann ich gut?” – Wie Kinder über ihre Stärken einen gesunden Selbstwert entwickeln

Selbstwert statt Selbstoptimierung: Warum Stärken mehr sind als Talente

Ein gesunder Selbstwert entwickelt sich nicht durch perfekte Leistungen, sondern durch Erfahrungen von Wirksamkeit und Anerkennung. Wenn ein Kind das Gefühl hat: “Ich kann etwas und das wird gesehen”, entsteht nicht nur Stolz, sondern auch Selbstvertrauen. 

Das Sonnenkind wächst in uns, wenn wir Vertrauen in unsere Stärken entwickeln und nicht nur auf Fehler schauen. Denn: Ressourcenaktivierung wirkt stärker als reine Fehler-Fokussierung. 

Stärkenorientierung bedeutet nicht, Kinder zu “Leistungsträger:innen” zu machen. Es geht um Selbstwahrnehmung, nicht um Selbstoptimierung. Wer sich als “wertvoll trotz Fehler” erlebt, bleibt neugierig und lernbereit, statt ängstlich und perfektionistisch. 

Impuls: Beginne Gespräche öfter mit: “Was hat dir heute richtig Spaß gemacht?” statt: “Was lief gut in der Schule?”

 

Wie Eltern Stärken erkennen und sichtbar machen

Kinder wissen oft nicht, worin sie gut sind, weil niemand es ihnen spiegelt. Deshalb ist deine Beobachtung so wichtig. 

Fragen, die helfen: 

  • Wann strahlt mein Kind vor Stolz?
  • In welchen Situationen sucht es selbstständig Lösungen?
    Wann unterstützt es andere – auch ohne Aufforderung?

Diese Fragen öffnen den Blick für das, was oft zwischen Alltag und Erwartung untergeht: authentische, gelebte Stärken. 

Das sogenannte “Stärkentagebuch” ist eine bewährte Methode, die du zuhause nutzen kannst: Notiere gemeinsam mit deinem Kind täglich 1-2 Dinge, die es gut gemacht hat – unabhängig von der Schule. Etwa: “Ich habe meine Freundin getröstet” oder “Ich habe mich getraut, nachzufragen”.

Kreativer Praxisimpuls: Lass dein Kind eine “Stärken-Hand” malen. Jeder Finger steht für eine Superkraft, z. B. mutig, hilfsbereit, ausdauernd, kreativ, witzig. So werden Ressourcen sichtbar und verankert. 

 

Fehlerfreundlichkeit fördern: Warum Selbstwert Mut zur Unvollkommenheit braucht

Kinder, die ihre Stärken kennen, können mit Rückschlägen besser umgehen. Sie erleben Fehler nicht als Makel, sondern als Teil des Lernens. Studien zeigen: Kinder, die für Anstrengung gelobt werden (statt nur für Ergebnisse), entwickeln ein dynamisches Selbstbild. Sie glauben: “Ich kann wachsen”. Das stärkt ihre Resilienz, besonders in schwierigen Situationen. Denn: Ein Kind, das sich selbst annimmt, braucht keine Perfektion, sondern Beziehung. 

Was du als Elternteil tun kannst: 

  • Verwende Sätze wie: “Das hat noch nicht geklappt – und du hast es weiter versucht”.
  • Sprich über eigene Fehler: “Weißt du, ich habe das heute auch nicht perfekt gemacht – und das ist okay”.
  • Schaffe Raum für Scheitern – beim Spiel, Basteln oder Lernen.

 

Natur, Spiel und freier Raum, wo sich Stärken ganz von selbst zeigen

Zwischen To-Do-Listen, digitalen Medien und Wochenplänen braucht es Räume, in denen Kinder einfach “sein” dürfen. Hier entfalten sich oft die wichtigsten Kompetenzen: Frustrationstoleranz, Kreativität, Problemlösung, soziales Miteinander. 

Warum die Natur so wertvoll ist: 

Unstrukturierte Zeit draußen – ohne Erwachsene als Taktgeber – fördert Selbstwirksamkeit. Beim Hüttenbauen, Balancieren, Klettern oder Streiten lernen Kinder oft mehr als in jedem Kurs. 

Spielerisch wachsen: 

Kooperative Spiele oder kleine Alltagsaufgaben fördern Stärken wie Empathie, Geduld, Durchhaltevermögen. Kinder erfahren: “Ich kann etwas beitragen. Ich gehöre dazu”. 

Elternimpuls:

Sag öfter “Zeig mir mal, wie du das machen würdest” statt “Lass mich das schnell übernehmen”. 

 

Sprache prägt Selbstwert: So formulierst du stärkend

Dein Kind hört dir zu, auch wenn es nicht so aussieht. Die Art, wie du über es sprichst (mit anderen oder mit ihm selbst), beeinflusst sein Selbstbild direkt. 

Beispiele für stärkende Sprache: 

  • Statt: “Du bist so ein Sturkopf!” → “Du hast klare Vorstellungen – das ist eine tolle Stärke!”
  • Statt: “Warum kannst du das nicht endlich?” → “Das ist ganz schön schwer – und du gibst nicht auf”.
  • Statt: “Immer machst du das falsch!” → “Beim nächsten Mal probierst du’s anders – ich trau dir das zu”.

Ein Tipp für dich: Führe ein eigenes “Lob-Notizbuch”: Halte 1x pro Woche fest, was dein Kind besonders gut gemacht oder gemeistert hat. Das schärft deinen Blick und stärkt eure Beziehung. 

 

Fazit: Ein gesunder Selbstwert beginnt mit dem Blick von außen

Kinder lernen über Beziehung. Wenn du ihnen ihre Stärken spiegelst, erleben sie sich als wertvoll – unabhängig von Leistung oder Verhalten. Und das ist der Kern eines gesunden Selbstwerts: “Ich bin gut, wie ich bin – und ich kann wachsen”.

Zusammenfassung in drei Sätzen: 

  • Stärkenorientierung bedeutet, den Fokus auf Selbstwahrnehmung statt Selbstoptimierung zu legen.
  • Eltern können durch Sprache, Spiegelung und Spielräume das Selbstbild ihrer Kinder nachhaltig prägen.
  • Ein liebevoller Blick, der Ressourcen sieht, ist die stärkste Entwicklungsförderung, die du geben kannst. 

Elternsein ohne Druck: 5 Tipps für mehr Gelassenheit im Alltag

1. Perfektion distanziert, Authentizität verbindet

Viele Eltern haben den Wunsch, alles “richtig” zu machen, geduldig zu bleiben, immer auf Augenhöhe zu kommunizieren, niemals laut zu werden oder zu viel zu fordern. Doch dieser Anspruch, “perfekt” zu sein, erzeugt nicht nur inneren Druck, er schafft auch emotionale Distanz, die sich subtil auf dein Kind überträgt. 

Kinder brauchen keine perfekten Superheld:innen. Sie brauchen echte Menschen: Verlässliche Bindungspersonen, die greifbar sind – nicht unfehlbar. Menschen, bei denen auch mal was daneben geht, bei denen ein Seufzer erlaubt ist, ein genervter Blick und auch die ein oder andere Träne. 

Denn: Authentische Bindung lebt nicht von Fehlerlosigkeit, sondern von emotionaler Verfügbarkeit. Laut der Bindungsforschung nach Mary Ainsworth und John Bowlby entsteht sichere Bindung durch das, was Fachleute als “empathische Resonanz” / “emotionale Feinfühligkeit” bezeichnen. Also: Die Fähigkeit, kindliche Signale wahrzunehmen, richtig zu deuten und darauf einfühlsam zu reagieren. 

Wichtig dabei: Es geht nicht um Perfektion. Studien zeigen, dass eine “good enough”-Beziehung – also eine, in der etwa 30% der Interaktionen wirklich synchron verlaufen – bereits ausreichen kann, um eine sichere Bindung zu fördern. Der Rest ist Beziehungspflege durch „Reparatur“. Und das ist enorm wertvoll. Denn genau hier lernt dein Kind: Beziehungen halten auch dann, wenn’s mal holpert. Wenn man sich wieder annähert. Wenn man sich ehrlich zeigt.

Psychologisch betrachtet, passiert in solchen Momenten etwas Wesentliches: Das Kind erlebt, dass es nicht für die Stimmung der Eltern verantwortlich ist, und dass es auch mit schwierigen Gefühlen nicht allein bleibt. Es erlebt: “Auch wenn Mama oder Papa gerade überfordert ist – ich bin sicher und werde gesehen”.

Impuls für dich: Du darfst Fehler machen und du darfst sie zeigen. Wenn du sagst: “Das war gerade zu viel für mich. Es tut mir leid”, dann stärkst du nicht nur die Beziehung zu deinem Kind, sondern auch sein Selbstbild, weil es lernt: Verletzlichkeit trennt uns nicht. Sie verbindet uns. 

 

2. Weniger Programm, mehr Präsenz 

“Ich muss mein Kind ständig beschäftigen!” – dieser Gedanke hält sich hartnäckig in vielen Elternköpfen. Zwischen Spielgruppe, Basteltisch und Spielplatz entsteht oft das Gefühl, dass “gute Eltern” durch permanente Aktivität glänzen müssen. Doch: Beschäftigung ist nicht gleich Beziehung.

In Wahrheit brauchen Kinder keine Dauerbespaßung, sie brauchen Verbindung. Und die entsteht nicht durch Action, sondern durch Aufmerksamkeit im Moment: Ein Blick, der nicht abschweift. Eine Hand, die die kleine Hand hält. Ein echtes Lächeln, wenn das Lieblingsessen in der Brotbox ist.

Psychologisch betrachtet, sprechen wir hier von sogenannter emotionaler Verfügbarkeit – ein zentraler Begriff in der Bindungspsychologie. Sie beschreibt die Fähigkeit der Eltern, dem Kind nicht nur körperlich, sondern auch emotional präsent zu sein. Gerade in der frühen Kindheit wirkt sich diese Haltung entscheidend auf die Entwicklung von Urvertrauen, Stressverarbeitung und Selbstwert aus. 

Besonders wirksam sind dabei Mikro-Momenten bzw. “Mikrobindungsangebote” – kurze, positive Interaktionen, in denen das Kind sich gesehen, angenommen und sicher fühlt. Studien zeigen: Diese kleinen Momente wirken stärker auf die Qualität der Bindung als aufwendige Familienausflüge oder ausgeklügelte Förderprogramme. Präsenz schlägt Perfektion. 

Und noch ein Bonus: Auch dein Nervensystem profitiert. Denn echte Achtsamkeit – dieses bewusste “Da-Sein” im Jetzt – senkt nachweislich den Stresspegel, stärkt die Regulation deiner eigenen Emotionen und lässt dich mit mehr Leichtigkeit durch den Alltag gehen. 

Impuls für dich: Du musst nichts leisten. Kein Lernspiel, kein Instagram-taugliches Bento-Brot. Du darfst beim Zähneputzen ein Lied summen. Beim Wäscheaufhängen gemeinsam Blödsinn machen. Oder einfach nur kurz innehalten, wenn dich dein Kind mit verklebtem Mundwinkel angrinst. Präsenz ist keine Frage der Zeit – sondern der Haltung. 

Verbindung entsteht nicht durch Aufwand, sondern durch Aufmerksamkeit.  Und die gute Nachricht: Die schönsten Momente entstehen oft ganz nebenbei – mitten im Chaos, zwischen Brotdose und Schlafanzug. 

 

3. Dein innerer Kritiker ist kein guter Erziehungsratgeber

“Das war wieder zu laut”. 

“Jetzt hast du es vermasselt”. 

“Andere bekommen das mit ihren Kindern doch auch besser hin…”

Diese  Stimme in deinem Kopf kennst du vermutlich gut. Es ist der innere Kritiker – hart, unerbittlich und meist alles andere als hilfreich. Vor allem im Familienalltag meldet er sich zuverlässig in den Momenten, in denen du eh schon an dir zweifelst. Und statt dich aufzurichten, zieht er dich noch weiter runter. 

Dabei  ist genau das Gegenteil von dem hilfreich, was diese Stimme versucht: Selbstverurteilung macht dich nicht stärker. Sie macht dich eng, hart und unzugänglich – für dich selbst und für dein Kind. 

Was Kinder brauchen, ist keine perfekte Elternfigur, die immer alles im Griff hat. Sie brauchen dich – emotional verfügbar, in Kontakt mit dir selbst. Und das gelingt nicht, wenn du dich innerlich nieder machst. Es gelingt, wenn du lernst, freundlich mit dir umzugehen. Es geht um Selbstmitgefühl – ein Konzept, das u.a. von Dr. Kristin Neff erforscht wurde. Studien zeigen, dass Eltern, die selbstmitfühlend mit sich umgehen, weniger gestresst, emotional stabiler und langfristig präsenter sind. Sie regulieren sich schneller nach schwierigen Situationen, sind achtsamer im Umgang mit ihren Kindern und fühlen sich weniger erschöpft. 

Selbstmitgefühl ist kein Kuschelkurs für Ausreden. Es bedeutet nicht, alles durchgehen zu lassen, sondern sich mit dem gleichen Mitgefühl zu begegnen, das man seinem Kind schenkt, wenn es wütend oder überfordert ist. 

Impuls für dich: Wenn der innere Kritiker loslegt, halte kurz inne und frag dich: “Was hätte ich gerade gebraucht, um gelassener zu reagieren?” oder “Was würde ich meiner besten Freundin in dieser Situation sagen?” Dann sag es dir selbst – laut, innerlich, geschrieben – egal wie. Wichtig ist: Du wirst in dem Moment zur sicheren Basis für dich selbst. Denn nur wer sich selbst halten kann, kann auch für andere da sein. 

 

4. Emotionen regulieren statt “wegerziehen”

“Jetzt beruhig dich mal!” – ein Satz, den wir schnell aussprechen. Oft, weil wir selbst überfordert sind. Oder weil wir gelernt haben, dass starke Gefühle “zu viel” sind. Doch Kinder sind nicht zu viel. Sie sind einfach ehrlich. 

Wut, Traurigkeit, Angst – das sind keine Problemzustände, das sind ganz normale emotionale Reaktionen. Und sie gehören genauso zur Kindheit wie Lachen, Neugier und Quatsch machen. Unsere Aufgabe als Eltern ist nicht, diese Gefühle “wegzuerziehen”,  sondern sie liebevoll zu begleiten. 

Kinder kommen nicht mit einem fertigen Emotionsregulationssystem auf die Welt. Ihr Gehirn – insbesondere die Areale für Impulskontrolle und Selbstregulation – entwickelt sich über viele Jahre hinweg. Das bedeutet: Sie brauchen unser Nervensystem, um sich zu beruhigen.

Die Entwicklungspsychologie Co-Regulation: Das Kind reguliert sich über die emotionale Verfügbarkeit seiner Bezugsperson. Wenn du ruhig bleibst (oder zumindest wieder in deine innere Mitte findest), wirkt sich das direkt auf dein Kind aus. Dein ruhiges Herz schlägt wie ein Resonanzkörper für das aufgebrachte Herz deines Kindes. 

Das heißt aber nicht: Du musst immer wie Buddha durchs Wohnzimmer schweben. Gelassenheit ist kein Dauerzustand, sondern eine innere Haltung. Was zählt, ist nicht, dass du nie aus der Fassung gerätst. Sondern wie du zurück findest und dass du deinem Kind zeigst: Gefühle sind okay. Auch deine. 

Kinder lernen nicht nur durch Worte, sie lernen durch Nervensysteme. 

Reminder für dich: Du darfst wütend sein, müde, traurig, überfordert und trotzdem liebevoll begleiten. Es geht nicht um perfekte Regulation. Es geht darum, wieder ansprechbar zu werden, wenn es stürmisch war, um den sicheren Hafen, der bleibt – auch wenn die Wellen hochschlagen. Manchmal bedeutet Gelassenheit, einfach sitzen zu bleiben, während das Gefühl tobt und mit einem inneren “Ich bin da” zu halten – für dein Kind und für dich. 

 

5. Du musst das nicht alleine schaffen und auch nicht immer gut

Wir leben in einer Kultur, in der Selbstoptimierung oft höher geschätzt wird als Selbstfürsorge. Besonders Eltern tragen einen enormen Druck mit sich herum: alles alleine stemmen zu müssen – den Haushalt, den Beruf, die Kita, die Gefühle. Und dabei bitte noch gelassen bleiben. Doch das ist eine Illusion. Und sie macht krank. 

Menschen sind Bindungswesen. Unser Nervensystem ist nicht dafür gemacht, alles allein zu regulieren. In der Psychologie spricht man von dyadischem Coping – also der gemeinsamen Bewältigung von Stress innerhalb von Beziehungen. Studien zeigen: Wer sich regelmäßig mit anderen austauscht, kann Stress besser verarbeiten, ist emotional stabiler und weniger anfällig für Erschöpfung oder depressive Verstimmungen. 

Auch Co-Regulation funktioniert nicht nur zwischen Eltern und Kind, sondern auch zwischen Erwachsenen: Ein ehrliches Gespräch mit einer Freundin, eine Umarmung vom Partner, ein unterstützender Satz in der Kita-WhatsApp-Gruppe. All das hilft, unser Stresslevel zu senken. Verbindung ist kein Luxus, sie ist eine Ressource. 

Und trotzdem glauben viele Eltern: “Ich muss das alleine können. Ich darf nicht überfordert sein”. Doch Gelassenheit entsteht nicht durch ständiges Aushalten. Sondern durch das Annehmen von Unterstützung. Du musst nicht immer stark sein. Du musst nicht immer funktionieren. Du darfst Hilfe brauchen und sie auch annehmen. 

Praktischer Impuls: Sag öfter “Ja”: Sag “Ja” zum Babysitter, “Ja” zur Oma, die helfen möchte, “Ja” zum Mittagsschlaf, während die Spülmaschine wartet, “Ja” zu dir und deinen Bedürfnissen. 

Denn du bist nicht allein auf der Welt. Du darfst dich einbetten, in ein System aus Menschen, die dich tragen. Du musst das nicht perfekt machen. Du darfst Mensch sein. Und das Beste: Dein Kind lernt dadurch, dass man sich nicht überfordern muss, um wertvoll zu sein. Erlaube dir, dich anlehnen zu dürfen. Gelassenheit entsteht oft dort, wo du nicht mehr kämpfst, sondern dich wieder spürst. 

 

Fazit: Gelassenheit ist kein Zustand, sie ist eine Beziehung zu dir selbst

Elternsein ist keine To-do-Liste, die man abarbeitet. Es ist ein Beziehungsprozess – mit deinem Kind, aber vor allem auch mit dir selbst. Und in diesem Prozess darfst du lernen, dass Perfektion dich trennt – aber Authentizität dich verbindet. 

Gelassenheit im Familienalltag entsteht nicht, wenn du alles richtig machst. Sie entsteht, wenn du aufhörst, dich dafür zu verurteilen, dass du nicht alles richtig machen kannst. 

Für echte Gelassenheit braucht es vor allem eins: emotionale Sicherheit. Und diese entsteht nicht durch Pläne, Programme oder perfekte Reaktionen, sondern durch Beziehung. Durch kleine Momente der Präsenz, durch Selbstmitgefühl statt Selbstkritik, durch die Erlaubnis, auch mal nicht zu funktionieren. 

  • Du musst nicht alles allein schaffen. Verbindung ist kein Bonus – sie ist biologisch notwendig. 
  • Dein Kind braucht dich nicht in Hochglanz. Es braucht dich emotional anwesend. 
  • Du darfst hinfallen – wichtig ist, wie du mit dir sprichst, wenn du wieder aufstehst. 

Die Forschung zeigt klar: Kinder entwickeln dann emotionale Resilienz, wenn sie erleben, dass Gefühle dazugehören und dass sie in ihren Eltern Resonanz und Sicherheit finden. Das heißt nicht, dass du nie laut wirst oder immer gelassen bleiben musst. Es heißt nur: Du darfst dich selbst ernst nehmen. Und liebevoll mit dir umgehen. 

Und wenn du dir das erlaubst, dann entsteht ganz von selbst mehr Gelassenheit. Nicht als perfekter Zustand, sondern als Haltung. Als kleine, tägliche Entscheidung, in Beziehung zu bleiben – mit deinem Kind. Und mit dir selbst.

Mutter und Kind umarmen sich im Schnee

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